Dem britischen Premierminister John Major erschien es vergangene Woche eine "höchst überraschende Entscheidung": Der weltweit zweitgrößte Autohersteller Ford will schon im April 1300 Arbeitsplätze im Werk Halewood bei Liverpool streichen. Das Modell Escort wird dort nur noch in einer Schicht montiert - bis zum Jahr 2000, wenn der Nachfolger erscheint. Der läuft dann ausschließlich in den Werken Saarlouis und Valencia von den Bändern. Der Grund: Ford erwirtschaftet mit seinen insgesamt 48 europäischen Werken Verluste wegen zu hoher Kapazitäten - allein mehr als 750 Millionen Mark im dritten Quartal 1996. Insgesamt ist die Produktion in Großbritannien seit 1979 um mehr als ein Drittel auf knapp 400 000 Autos geschrumpft, von seinerzeit 75 000 Arbeitsplätzen gingen 45 000 verloren. Halewood gilt im Ford-Konzern als eine der unproduktivsten Fabriken. Sie stellt jährlich pro Mitarbeiter weniger als 40 Wagen her, Saarlouis schafft immerhin 50 und Valencia sogar 53 Escort.

Nicht mehr als eine Gnadenfrist: Der "Killerwal" genannte Chef des Fernsehherstellers Grundig, Pieter van der Wal, wird in zwei Monaten das fränkische Traditionshaus verlassen. Derweil sucht der Aufsichtsrat unter dem glücklosen Vorsitzenden Christian Schwarz-Schilling einen Käufer für das Defizitunternehmen, aus dessen Führung sich der beteiligte Philips-Konzern zurückzieht.

Dabei soll der Staat Bayern helfen. Eine noch größere Rolle wollen die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat der Landesregierung aufbürden: Nach ihrem Konzept soll der Wirtschaftsminister einem Bankenkonsortium vorstehen, das die Anteile von Philips übernimmt und den Aufbau eines zweiten Standbeins neben der Unterhaltungselektronik forciert.

Regionale Projekte für Verkehrsleitsysteme oder in der Medizintechnik sollen dabei helfen. Einen neuen, noch anonymen Chef von außerhalb der Branche hat die Gruppe um IG-Metall-Vertreter Gerd Lobodda auch schon vorgeschlagen. Indes hat die scheidende Mutter Philips die dünne Eigenkapitaldecke des Sorgenkindes kräftig durchlöchert und Genußscheine im Kaufwert von einer viertel Milliarde Mark gegen volle Verrechnung zurückgegeben - ein nicht gerade feines und nach Grundig-Auffassung auch rechtlich anfechtbares Nachtreten.

Nicht nur in Franken werden wohl weitere Arbeitsplätze gestrichen auch Niedersachsen leidet unter der Branchenkrise: Die Pariser Thomson Multimedia plant, dort zwei Werke zu schließen. Die Hoffnung für die 800 Mitarbeiter ist gering. Mit der Unterhaltungselektronik ist in Deutschland eben kein Staat mehr zu machen.

Auch in der Wirtschaft gilt das Gesetz der Bundesliga: Wer keinen Erfolg hat, fliegt. Ganz so schnell wie bei Fußballtrainern geht es aber nicht. Nur so ist zu erklären, daß sich Heyo Schmiedeknecht mehr als sechs Jahre auf dem Chefsessel der Deutschen Babcock in Oberhausen gehalten hat. West-LB-Chef Friedel Neuber, Aufsichtsratsvorsitzender bei Babcock, hatte ihm offensichtlich die Sanierung des Energieanlagen- und Maschinenbauers doch noch zugetraut.

In der Tat war das Unternehmen auf gutem Wege, aber nur bis Anfang 1995. "Drastische Verzerrungen der Wechselkurse und unerwartet hohe Tarifabschlüsse" machte Schmiedeknecht für die Wende nach unten verantwortlich - und gab anders als die meisten auch eigene Fehler zu. Schmiedeknecht ist gegen den Filz des etablierten Managements nicht angekommen. Und als er endlich die Mannschaftsaufstellung änderte, war es zu spät - ein guter Trainer ohne Fortüne, von dem man in Anbetracht der Tabellenlage bedauernd Abschied nimmt.