Faruks Urteil fällt knapp und bestimmt aus: "Singapur wird eines Tages sinken", sagt der 24jährige, "es ist viel zu schwer." Faruk meint den Beton, der das Bild des südostasiatischen Stadtstaats bestimmt. Die düstere Sicht mag damit zusammenhängen, daß Faruk bisher auf der Schattenseite des Wirtschaftswunder-Zwergstaats am Südzipfel Malaysias lebt. Als Lehrling verdient er rund 600 Singapur-Dollar im Monat (etwa 500 Mark), und ob er sich jemals bis zu einer Führungsposition hocharbeiten kann, ist ungewiß.

Ein Traum jedenfalls ist schon geplatzt: Der junge Mann wollte bei der Luftwaffe anheuern - doch da ließ man ihn nicht hinein.

Auch Faruks Schwester mußte zurückstecken. Bei einer Computerfirma ließ man sie wissen, daß "so eine wie Sie" mit Gehaltswünschen vorsichtig sein solle.

Was den beiden Geschwistern im Wege steht? Für Faruk ist die Antwort klar: "Wir sind Malaien. Da haben wir hier eben schlechtere Chancen."

Wie er sind viele seiner malaiischen Landsleute - sie machen vierzehn Prozent der Bevölkerung Singapurs aus - fest davon überzeugt, daß die soziale Trennlinie in der Boomstadt genau entlang der ethnischen Grenzen verläuft. Unter der harten Regie von Senior Minister Lee Kuan Yew und seiner Peoples Action Party (PAP) in einer chinesisch dominierten Gesellschaft sehen sich die Malaien an den Rand gedrängt.

Dennoch ist offene Kritik am politischen und sozialen System Singapurs nach wie vor die Ausnahme. Schließlich läßt die Regierung keinen Zweifel daran, daß Opposition nicht erwünscht ist und für jeden, der sie trotzdem wagt, erhebliche Nachteile mit sich bringen kann.

Bestes Beispiel: die achten Parlamentswahlen zum Jahresbeginn.