Sehr wenig davon ist wahr. Klima mag Haider lächelnd begrüßen, wenn er ihn im Parlament von der Regierungsbank sieht wird er vor TV-Auftritten geduzt, duzt er zurück. Private Treffen zwischen den beiden hat es aber nicht gegeben. Das Medienphänomen Haider trifft in Klima auf einen ebenbürtigen Gegner, der bei aller Freundlichkeit nicht den von ihm mitgetragenen SPÖ-Beschluß vergißt, den Abgrenzungskurs gegenüber der rechtspopulistischen FPÖ beizubehalten. Klima ist nicht nur ein in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat, sondern emotional gefestigter Antifaschist.

Als knapp achtzehnjähriger Schüler nahm er 1965 an einer historischen Demonstration gegen jenen Universitätsprofessor Borodajkewicz teil, der in seinen Vorlesungen offen Nazi-Ideologie propagierte.

Diese Demonstration, bei der der erste politische Tote der zweiten Republik zu beklagen war, hat weit mehr als der Mai 1968, in Wien eine flüchtige Affäre, viele Linke nachhaltig geprägt, darunter auch Viktor Klima.

Haider sei einer, sagte Viktor Klima einmal, der Eskimos Kühlschränke verkaufe und sie dann damit allein lasse. Klima selbst könnte ihnen die Kühlschränke ebenfalls verkaufen. Dann wüßten die Eskimos aber ihr Leben lang, was sie an ihren Kühlschränken haben. Nach dem Verkauf der Creditanstalt war der Finanzminister zu Gast bei der Industriellenvereinigung, die jenem konservativen Konsortium angehörte, das im Kampf um die Bank unterlegen war. Entsprechend kühl war der Empfang. Doch Klima verwandelte die Stimmung in kurzer Zeit beinahe in Euphorie für seine Person.

Seine Erscheinung beeindruckt. Er ist einer, dem man nachschaut.

Groß und fesch, meist mit strahlendem Lächeln, tritt er stets in blauem Anzug, weißem Hemd und meist roter Krawatte auf. "Meine Montur" nennt er das. Entscheidend für seine Wirkung aber ist die methodische Art, sich mit Problemen zu befassen. Seine Lernfähigkeit, die Schnelligkeit seiner Auffassungsgabe sind bemerkenswert, dank Kompetenz und Zahlengedächtnis versteht er es, auch schlechte Nachrichten wie das von ihm in Brüssel ausgehandelte Transitabkommen gut zu verkaufen. Mit seinem Detailwissen rang er perfekt vorbereitet dem TV-Virtuosen Haider in einer Wahlkampfdiskussion im Fernsehen zumindest ein Unentschieden ab. Mit seiner perfekten Vorbereitung gewinnt er meist bei Budget-Verhandlungen.

Parteifreunde hoffen nach dem als distanziert empfundenen Vranitzky in Klima jemanden zu finden, der gerne mit den Leuten redet. Er sei nicht populistisch, sondern populär, behaupten sie. Wieweit er mit seiner bisherigen Praxis bricht, Politik niemals gegen den Druck der mächtigen, rechtspopulistischen Kronenzeitung zu machen, wird sich weisen. Die teilt ihm bereits per Schlagzeile mit, welche linksliberalen Minister man nicht mehr zu sehen wünscht.