Die gute Titanic - "das endgültige Satiremagazin" nennt sie sich, wohl wahr, viel Konkurrenz hat sie hierzulande nicht mehr. Da sah es vor hundert Jahren im komischen Deutschen Reiche anders aus, da sprudelten Witz und Satire aus unzähligen Postillen, und war die Hauptstadt humormäßig auch etwas erschlafft, so blühte es im Süden um so heftiger. An die sechzig lustige Blätter oder, ähem, "Karikaturen-Journale" erschienen in jenen Tagen des guten Prinzregenten Luitpold in München, nicht nur der legendäre Simplicissismus und die mondäne Jugend, sondern auch eher bizarre Proben deutschen Scherzschaffens wie Das Bier, Der lachende Pädagog oder die Humor-Bacillen.

Ob Sozialisten, Anarchisten, Autofahrer ("Autler") oder Oberlehrer, fast jeder hielt sich seine eigene satirische Bulldogge, selbst die Klerikal-Fraktion, diese allerdings "unter strengem Ausschluß alles dessen, was Religion und gute Sitten schädigen und dem Beschauer Ärgernis geben könnte" - muß harte (Redaktions-)Fron gewesen sein!

Und natürlich gab es auch die Antisemiten, mehr zum Kotzen als zum Lachen. Immerhin: Andere, wie zum Beispiel der Süddeutsche Postillon, hielten dagegen und verspotteten das mörderische Pack nach Kräften - den Demagogen Max Liebermann von Sonnenberg etwa, Mitinitiator einer Petition an den Reichskanzler, in dem die Rücknahme der Judenemanzipation gefordert wurde.

Die Münchner Pressehistoriker Ursula E. Koch und Markus Behmer zeichnen jetzt für eine Ausstellung verantwortlich, in der die "Groben Wahrheiten und wahren Grobheiten" jener Jahre noch einmal zu betrachten sind ein liebevoll illustrierter Katalog (Verlag Reinhard Fischer, München 100 S., 19 Mark) erzählt die Geschichte des Münchner Witzblattwesens gründlich nach. Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Februar in der Halle Nord des Hauptgebäudes der Universität am Geschwister-Scholl-Platz zu besichtigen und wandert anschließend nach Landshut und Amberg weiter, wo sie jeweils im Rathaus zu sehen sein wird.