Nun sind sogar seine Fans etwas enttäuscht von Helmut Werner.

Daß der sechzigjährige Spitzenmanager den monatelangen Machtkampf mit dem Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp so sang- und klanglos aufgibt, wie er das jetzt getan hat, will nicht so recht zum Bild des erfolgreichen Mercedes-Sanierers passen. Er gilt zwar als stets verbindlich und bevorzugt die leisen Töne, pflegt aber auch eine "gewisse Begeisterung für den konstruktiven Konflikt", wie er selbst sagt. Und von diesem stillen Kämpfer Werner hatten manche im Unternehmen und draußen wohl mehr erwartet - vor allem, daß er irgendwie doch dem Konzern erhalten bleibt und das Feld nicht Schrempp allein überläßt.

Werner selbst hatte solchen Spekulationen dadurch Nahrung gegeben, daß er von "anderen Lösungsmöglichkeiten" sprach - anderen als das Modell a la Schrempp. Außerdem meinte der Mercedes-Chef noch vor wenigen Wochen: "Die ganze Sache ist auf einem guten Weg."

Und das wurde schnell fehlinterpretiert als Optimismus für sich und seinen Job bei "dem besten Unternehmen der Welt" (Werner).

Kein Zweifel, er wäre nur zu gern geblieben, aber dem in vieler Hinsicht sympathisch altmodischen Manager ging es vorrangig um die Zukunft von Mercedes. Und so blieb er denn, solange es ging, um für sein Unternehmen zu tun, was noch möglich war.

Allzuviel war das in den vergangenen Monaten nicht mehr - verglichen mit den Erfolgen seit 1993. In diesem ersten Jahr mit Werner an der Spitze machte der traditionsreiche Autohersteller 1,2 Milliarden Mark Verlust. Überhöhte Preise, ungebremste Kostenschübe und verspätete Modellwechsel hatten Mercedes ins Schleudern gebracht. Werner organisierte die Wende, baute ziemlich geräuschlos 35 000 Arbeitsplätze ab und verringerte die Kosten um etwa ein Fünftel. Heute ist Mercedes wieder der rentabelste Autohersteller in Europa er steuert drei Viertel zum Gesamtumsatz des Daimler-Benz-Konzerns bei und liefert fast dessen ganzen Gewinn.

Werner löste Mercedes außerdem im Pkw-Bereich aus einer gefährlichen Ecke: Das Geschäft trugen fast ausschließlich Limousinen mit Premium-Preisen, deren Anteil am Automarkt ständig sinkt. Ein Feuerwerk neuer Modelle - Minivans, Stadtautos, Freizeitvehikel und Sportwagen - soll Umsatz und Gewinn in den kommenden Jahren weiter steigen lassen.