Jossif Bakalejnik geht fast nie durch die Hallen seiner Traktorenfabrik.

Es würde dem Generaldirektor auch gründlich die Laune verderben: Weite Teile der Traktorenwerke von Wladimir, einer Industriestadt 180 Kilometer östlich von Moskau, haben den Charme eines Industriefriedhofs.

Da, wo früher 36 000 Traktoren im Jahr produziert wurden, stehen heute die Bänder oft still oder laufen nur noch im Schneckentempo.

In vielen Hallen ist es dunkel, Maschinen - zum Teil fünfzig Jahre alt - rosten vor sich hin.

Vor allem aber müßte der Manager zornigen Arbeitern erklären, warum sie genauso wie Tausende von Kumpeln in den Bergbauregionen sowie Millionen von Industriearbeitern, Beamten und Rentnern in ganz Rußland monatelang auf ihren Lohn warten müssen. "Bakalejnik", sagt die 46jährige Anatolja am Fließband verächtlich, "der soll sich zum Teufel scheren. Betrogen hat er uns."

Dabei ist Jossif Awramowitsch Bakalejnik als Retter gekommen.

Als der 45jährige Manager Ende März 1994 fast einstimmig - sogar mit den Stimmen der Arbeiter - an die Spitze der Aktiengesellschaft Wladimirskij Traktornyj Sawod gewählt wird, scheint das erste Kapitel der Erfolgsstory vom neuen russischen Kapitalismus geschrieben: Bakalejnik, Absolvent der renommierten Harvard Business School, gibt seinen hochdotierten Job bei der Weltbank in Washington auf, um das ehemalige Staatsunternehmen zu retten, in dem seine berufliche Laufbahn noch z u Sowjetzeiten begonnen hatte - und das für 500 Dollar im Monat, einige Privilegien und eine großzügige Aktienoption.