Die Felskunst der Altsteinzeit wird derzeit gründlicher und wissenschaftlicher untersucht als je zuvor. Neben die immanente Analyse der Darstellung tritt dabei zusehends der ethnographische Vergleich.

Die ethnographische Methode lehrt uns, daß wir die verschiedenen Lebensbereiche einer menschlichen Gruppe noch tiefer durchdringen müssen. Dazu gehören die Sprache, die Nutzung des Stammesterritoriums, die religiösen Überzeugungen, Riten, die Gesellschaftsstruktur und das Verwandtschaftssystem. Dazu gehört aber auch der künstlerische Ausdruck, der sich nicht erfassen läßt, wenn man ihn isoliert betrachtet. Ein Ethnologe wird einen australischen Aborigine meistens nicht direkt und brutal fragen: "Was bedeuten diese Bilder?"

Er wird sich vielmehr Zeit nehmen, sich lange und geduldig mit ihm unterhalten, um so auf Umwegen Informationen aus den verschiedensten Bereichen zusammenzutragen, die allmählich die Bedeutung dieser Bilder sichtbar machen.

Archäologen der Frühzeit müssen genauso verfahren. Die strukturalistische und allzu vereinfachende "Suche nach der Bedeutung", wie sie einst André Leroi-Gourhan, der inzwischen verstorbene Prähistoriker, beschrieb, erscheint heute nicht mehr angemessen, ja irrelevant.

Heute wird zuerst der Fundort gründlich untersucht. Eine genaue und systematische graphische Dokumentation der Felsdarstellungen wird mit modernen Methoden wie Photographie und Zeichnung erstellt.

Hinzu kommen physisch-chemische Analysen der Pigmente anhand von winzigen Materialproben von weniger als einem Milligramm. So erfahren wir die genaue Zusammensetzung der Farben und können die Figuren miteinander vergleichen. Man versucht etwa herauszufinden, welche Figuren zum selben Zeitpunkt durch dieselbe Hand entstanden.

Wurden organische Stoffe verwandt, dann können die Darstellungen außerdem mit der C-14-Methode genau datiert werden. Zusätzlich werden die Bilder in Originalgröße auf einer Höhlenwand reproduziert.