Der Auftakt der Debatte über die Reform der Rentenversicherung verspricht nichts Gutes. Denn noch bevor auch nur in Umrissen erkennbar ist, wie das Gesamtkonzept der Expertenkommission der Bundesregierung aussieht, formieren sich schon die Widerstandsgruppen in SPD, Gewerkschaften und Verbänden, unterstützt auch von Teilen sogar der Regierungsparteien.

Fast reflexhaft lehnen sie ab, worüber die Experten zwar durchaus ernsthaft diskutieren, worüber aber offenbar noch immer überhaupt nicht entschieden ist: eine Absenkung des Rentenniveaus von derzeit rund 71 Prozent. Ebenso reflexhaft beklatschen genau dieselben Sozialpolitiker die Idee, die Mehrwertsteuer zu erhöhen, um damit sogenannte versicherungsfremde Leistungen zu finanzieren.

Gewiß gibt es gute Argumente, die gegen ein Absenken des allgemeinen Rentenniveaus sprechen. Das überzeugendste davon ist wohl, daß der Abstand zwischen Sozialhilfe und den Renten derjenigen, die ihr Leben lang niedrige Einkommen hatten, dann gegen Null tendieren würde. Die Gefahr aber droht all denen nicht, die eine kontinuierliche Erwerbsbiographie und obendrein gut verdient haben.

Warum aber sollte es in einem Solidarsystem wie der Rentenversicherung nicht möglich sein, eine Anpassungsformel zu entwickeln, die diesen unterschiedlichen Gegebenheiten Rechnung trägt - beispielsweise durch Sockelbeträge für Niedrigrenten? Auf die Weise könnte sogar eine durchaus fragwürdige Verteilungswirkung der Rentenversicherung wenigstens teilweise korrigiert werden: Da die Renten jährlich prozentual angepaßt werden, wächst entsprechend auch die Einkommensdifferenz zwischen Beziehern niedriger und Beziehern hoher Renten von Jahr zu Jahr, das heißt, Unterschiede in der Einkommensverteilung werden durch die aktuelle Anpassungsformel weiter verschärft.

Und das kann eigentlich von niemandem gewollt sein.

Unter Verteilungsaspekten ist die Forderung, versicherungsfremde Leistungen, die gesamtpolitisch gewollt sind, über Steuern zu finanzieren, sicherlich vernünftig. Denn dann würden alle Bundesdeutschen - das heißt auch Beamte und Selbständige - daran beteiligt. Und Politikern würde es schwerer gemacht, still und klammheimlich die Kosten dafür einfach den Versicherten aufzubrummen.

Doch die, die jetzt einfach in den Mehrwertsteuertopf langen wollen, machen es sich zu bequem. Denn selbst unter Fachleuten ist durchaus umstritten, was denn eigentlich versicherungsfremd ist und was nicht. Eine Rentenreform aber, die diesen Namen wirklich verdient, müßte erst einmal darüber Klarheit schaffen.