Scheitert die Europäische Währungsunion doch noch - so kurz vor dem Ziel? Wer geglaubt hatte, die Anhänger des Euro hätten die tückischsten Hindernisse überwunden, der sieht sich getäuscht.

Das historische Projekt ist weiter in Gefahr. Die Gegner einer gemeinsamen Währung haben zuletzt einige Schlachten verloren, nicht aber den Krieg. Sicher, nach lähmendem Streit ist der Stabilitätspakt unter Dach und Fach und auch die Spekulanten, diese profitwitternden Gesellen, setzen auf einen pünktlichen Start am 1. Januar 1999.

Ja, es gibt sogar neue Euro-Fans zu begrüßen, etwa den SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine.

Ohne Zweifel, all dies sind für die Euro-Befürworter positive Signale. Doch sie drohen wertlos zu werden. Diesmal kommt die Gefahr nicht aus Bonn oder Frankfurt, sondern aus Paris. In Frankreich, da hilft kein Schönreden mehr, formiert sich Widerstand gegen den Maastricht-Vertrag. Linksnationale Intellektuelle wie der Soziologe Pierre Bourdieu (ZEIT Nr. 45/1996) trommeln ebenso gegen den Euro wie der gaullistische Parlamentspräsident Philippe Séguin.

Das wäre nicht weiter tragisch, bliebe solch innenpolitischer Streit - wie bisher in Deutschland - ohne Einfluß auf den Kurs der Politik. In Frankreich zeigen die Mächtigen dagegen Wirkung.

Die Folgen des sozialen Protests, der das Land vor gut einem Jahr erschütterte, werden sichtbar.

Einzelne Zentralbank-Mitglieder mögen mit ihren Euro-feindlichen Attacken noch als Außenseiter durchgehen, schließlich gilt Notenbankchef Jean-Claude Trichet selbst den gestrengen Bundesbankern als überzeugter Stabilitätsanhänger. Im Bonner Kanzleramt müßten aber spätestens die Alarmsirenen schrillen, wenn Premierminister Alain Juppé offen ein Kernstück der Währungsunion in Frage stellt: die Unabhängigkeit der künftigen Europäischen Zentralbank (EZB). Paris, diesen Schluß lassen auch Äußerungen von Wirtschafts- und Finanzminister Jean Arthuis zu, will die Geldpolitik nicht allein der EZB überlassen.