"In der überfüllten Aula des Henfling Gymnasiums in Meiningen klagen mir die Schüler ihr Leid über das völlige Fehlen von Freizeitangeboten.

Dennoch sei im Jugendclub Wernshausen alles kurz und klein getreten worden. Und am Treff im Park wurden die Lampen zerschmissen. Wo liegt da der Sinn?, frage ich wieder kopfschüttelnd. Sehr leise antwortet ein Mädchen: ,Das sind Angstschreie. Hören Sie das denn nicht?`

Ich hörte wohl, allein mir fehlte eine Handhabe, solche Signale in eine konstruktive Debatte einbringen zu können. Allenthalben Ratlosigkeit. Dabei ist doch offensichtlich: Grund, bescheiden zu sein, ist nicht gegeben. Geld ist genug da, es wechselt nur die Taschen. Die Armut wird immer verschämter, der Reichtum immer unverschämter."

Daniela Dahn,

Publizistin, "Berliner Zeitung"

"Die Systemveränderung in der Bundesrepublik wird von keiner kommunistischen Plattform eingeleitet werden. Die Systemveränderung vollzieht sich faktisch schon seit Jahren von rechts her. Die gesteigerte Stimmungsdemokratie wäre dann der Überbau der neuen gesellschaftlichen Ordnung, deren wesentliche Kennzeichen am Ende sein werden: die weitere Überantwortung von unkontrollierter Macht an eine politisch- wirtschaftliche Elite und deren Experten die faktische Aushöhlung des Parlamentarismus bei gleichzeitiger Pseudodemokratisierung durch Bürgeraktivitäten in Belanglosigkeiten das Entsetzen von sozialen und anderen gesellschaftlichen Rechten der Unterschicht durch das Gewäh ren karitativer Barmherzigkeiten das Entstehen neuer Privilegien, vor allem in der Bildung und Ausbildung, von denen auch der untere Mittelstand weithin ausgeschlossen sein wird."

Günter Gaus,