Steine, überall Steine. Hilfesuchend schlägt der trittsichere Trümmertourist in seinem Kulturführer nach und liest über Megiddo folgendes: "Die älteste Schicht (Stratum XX): Kupfersteinzeitliches Dorf mit rechteckigen und apsidialen Luftziegelbauten." Da schnalzt der Kenner mit der Zunge, aber Israels Tourismusbehörde schwant, "daß die Steinhaufen 99,9 Prozent der Leute gar nichts sagen".

Um diesen unhaltbaren Zustand zu beseitigen, soll in Megiddo, bekannter unter dem Namen Armageddon, dem mythischen Schauder ein wenig nachgeholfen werden. Am Ort der finalen biblischen Schlacht zwischen Gut und Böse entsteht ein Themenpark.

Die Zeit drängt allerdings ein wenig: Denn das Jahr 2000, das Weltuntergangspropheten jeder Couleur einen Boom bescheren wird, steht vor der Tür. Einige düstere biblische Verse aus der Offenbarung des Johannes, Kapitel 16, schreiben den Planern die künftige Dramaturgie des Themenparks südwestlich von Nazareth vor: So dürfen die Pilger für ihr Eintrittsgeld eine Neuinszenierung jenes legendären Hagelschauers erwarten, der "wie Zentnerstücke fiel vom Himmel auf die Menschen".

Der neutestamentarische O-Ton verlangt ferner ein Erdbeben, "wie solches nicht gewesen ist, seit Menschen auf Erden gewesen sind".

Die Herausforderung ist nicht gering, aber, wie Erschütterungsfachleute versichern, technisch durchaus zu meistern.

Glänzende Geschäfte sind dem verheißen, der Millionen Anhängern der globalen Untergangsvorstellung rechtzeitig den buchstäblich ultimativen Wallfahrtsort mit allen Schikanen präsentiert: Apocalypse now und in Farbe! Have fun and enjoy yourself! Die nächste Show um 14 Uhr!

Der Gedankensprung vom Heiligen Land aufs platte Land liegt auf der Hand: Auch im brandenburgischen Perleberg stehen Ruinen, die hier allerdings nicht aus dem Stratum XX, sondern aus dem Zeitalter des mindestens ebenso lang verblichenen Warschauer Pakts datieren.