Schallendes Gelächter in der Schalterhalle: Ein Bankangestellter nennt einem Kunden gerade die neuesten Zinssätze für Sparguthaben.

Und alle denken, es sei ein Witz. Aber es ist bitterer Ernst.

Eineinhalb Prozent für das Sparbuch, drei, vier, höchstens fünf Prozent für Wertpapiere - mehr ist nicht drin. Wehmütig erinnert sich da mancher an die gute, gar nicht so alte Zeit, als die Sparzinsen noch zweistellige waren. Als Bundesanleihen und Pfandbriefe noch zehn, elf Prozent . . .

Halt, Schnitt, Abbruch! Hier liegt ein großer Irrtum vor. Die Zinsen sind gar nicht niedrig. Ganz im Gegenteil. Sie sind "extrem hoch", schreibt Capital. Selten wurden Deutschlands Sparer mit üppigeren Erträgen verwöhnt. Eine regelrechte Hochzinsphase. Das bestätigt auch die oberste Instanz in Sachen Zinsen. Die Deutsche Bundesbank.

Die niedrigen Zinssätze, die den unwissenden Sparer so verdrießen, das sind lediglich die Nominalzinsen. Aber die täuschen. Entscheidend ist, was hinten rauskommt - der echte, der tatsächliche Gewinn.

Jener, der übrig bleibt, wenn man vom Nominalzins die Geldentwertung abzieht. Entscheidend ist der Realzins.

Je geringer die Geldentwertung, desto höher der Realzins. Denn desto mehr kann man sich für seine Ersparnisse kaufen. Anlageprofis, Banken und Unternehmen lassen sich denn auch nicht von kümmerlichen Nominalzinsen blenden. Unbeirrt verleihen sie ihr Geld und freuen sich über den Reibach. Bloß scheuen sie die allzu langen Laufzeiten, denn keiner weiß, wie lange der Realzins noch so günstig steht.