Niemals. Das war Carlo De Benedettis Parole noch vor achtzehn Monaten. Niemals werde Olivetti seine Abteilung für Personalcomputer verkaufen. Denn das sei das gleiche, als ob Fiat seine PKW-Produktion abstoßen würde.

Inzwischen ist Carlo De Benedetti nicht mehr Präsident des einzigen italienischen Informatikkonzerns, auch wenn er als größter Aktionär noch ein Siebtel des Kapitals kontrolliert. Und fast zwanzig Jahre nach dem Eintritt dieses Großaktionärs bei der damals schrottreifen Olivetti, nach der Sanierung, dem kometenhaften Aufstieg, einem glorreichen Jahrzehnt und dann immer rascherem Fall ist jetzt auch die große Illusion vom internationalen Informatikriesen endgültig zerplatzt. Olivetti stellt keine PCs mehr her. In Scarmagno, dem kleinen Städtchen des Piemont, wo die verbliebenen 1600 PC-Werker von Olivetti vergangenes Jahr für kaum mehr als eine Milliarde Mark Umsatz sorgten, wird fortan Englisch die Umgangssprache sein.

Edward Gottesmann heißt der neue Herr im Hause. Er ist der Branche fremd. Der amerikanische Anwalt und Finanzier will wohl auch soweit wie möglich unbekannt bleiben, denn nicht einmal Alter und Geburtsort verriet er den Journalisten in Mailand bei seinem ersten Auftritt.

"Ich bin jetzt hier", lächelte er und verwies auf eine zwanzigjährige Freundschaft mit Carlo De Benedetti.

Gottesmann kontrolliert die Holding Centenary. Die wiederum hat das Fahrradunternehmen Raleigh und den Porzellanhersteller Royal Worcester saniert. In Italien wartet ein besonders schwerer Job auf den Amerikaner. An die vier Milliarden Mark Verlust brachte Olivetti in den vergangenen Jahren zusammen. Daran war vor allem die PC-Sparte beteiligt. Gottesmann sicherte sich einen erfahreneren italienischen Manager, um dieses Problem zu lösen: Gianmaria Rossignolo, den Präsidenten der zum schwedischen Wallenberg-Konzern gehörenden größten italienischen Produktion für Elektrohaushaltsgeräte, Electrolux Zanussi.

Rossignolo wird Executive President in der neuen PC-Gesellschaft Piedmont International SA. Luxemburg. Wie er selbst sagt, wird er in eigenem Namen als Unternehmer tätig. Er beteiligt sich nämlich auch persönlich an der neuen Gesellschaft. Rossignolo ist - neben seinem Managerposten im Wallenberg-Konzern - auch führender Aktionär und Leiter der Fernsehgeräteproduzentin Seleco. Die wurde wegen der Arbeitsplätze mit staatlichen italienischen Subventionsgeldern am Leben erhalten. Rossignolo weiß, wo und wie Subventionen zu holen sind. Das kann Italiens Gewerkschaften beruhigen. Denn die bangen um die letzten 1600 Arbeitsplätze in der PC-Fertigung.

Wer die übrigen "italienischen und internationalen Finanziers und Unternehmer" in der Piedmont International SA sein werden, darüber schwiegen sich die Geschäftspartner bei der Präsentation des Vorvertrages aus. Fest steht nur, daß die Vertreter der neuen Gesellschaft in Luxemburg am 28. Februar den Kaufvertrag unterzeichnen sollen. Zwanzig Jahre lang darf das neue Unternehmen den Firmennamen Olivetti für die Computer nutzen sowie für alle Produktnachkommen.