Patentanwalt zu sein ist mitunter ein riskanter Beruf: Etwa wenn man darüber zu befinden hat, ob "Zusammensetzungen für Euthanasie" patentfähig sind. Unter der Nummer 516811 B1 hat das Europäische Patentamt (EPA) in München eine Rezepturensammlung für Giftmischungen unter Erfindungsschutz gestellt. Der Cocktail soll einen "humanen Tod" garantieren, wie es in der Patentschrift heißt. Überdies besteht er - im Gegensatz zu bereits vorhandenen Mitteln - ausdrücklich aus Ingredienzen, die nicht rezeptpflichtig sind. Der Tod aus der Flasche, ein klarer Fall von Sittenwidrigkeit?

Nein, kommt die nüchterne Antwort aus München: Schließlich beziehe sich die Entwicklung der Michigan State University in erster Linie auf "niedere Säugetiere" vom Menschen sei in der Patentschrift nicht ausdrücklich die Rede. Einen möglichen Mißbrauch könne das EPA natürlich nie ausschließen - aber dann dürfe man auch keinen Hammer patentieren, mit dem man anderen Leuten den Kopf einschlagen kann. Nur eindeutig kriminelle Erfindungen wie Briefbomben verletzten die guten Sitten.

Manchmal ist Moral ganz einfach. Auch Sterben bringt Gewinn.