MAINZ. - Der Bundeskanzler hatte einen glücklichen Einfall. Er war auf Landschaftsbilder des Malers Klaus Fußmann gestoßen und so begeistert, daß er ihn bat, die Bilder um Landschaften aus den neuen Bundesländern zu ergänzen. Zwölf Monate später, im Oktober 1996, eröffnete Helmut Kohl in seinem Bonner Amt eine der schönsten Ausstellungen des vergangenen Jahres Aquarelle, Zeichnungen, Pastellarbeiten, Skizzen aus allen sechzehn Bundesländern von Klaus Fußmann, der, wie viele Kenner meinen, der zeitgenössische Landschaftsmaler ist. Er habe die alte Vedutenmalerei in die Gegenwart geholt, meint der Berliner Verleger Wolf Jobst Siedler, der als einer der ersten die Qualitäten Fußmanns erkannte und dessen Arbeiten veröffentlichte. Fußmann, Jahrgang 1938, im Rheinland geboren, Professor an der Berliner Hochschule der Künste, schrieb über seine Arbeit im Kölner Stadt-Anzeiger: "Meine Streifzüge durch Deutschland waren selten zielgerichtet. Meist waren es einfach Fahrten durch Deutschland, wo ich dann am Straßenrand meine Staffelei aufbaute. Um Deutschland zu malen, immer wieder . . .

Die Zeiten haben sich geändert. Auch in den neuen Bundesländern verschwindet jetzt die noch biedermeierliche Struktur der Städte, am Ein-gang der Dörfer grüßt bereits das unvermeidliche Einkaufszentrum mit Parkplatz, und entlang der Landstraßen winken die Werbeschilder.

Vieles ist also in meinen Bildern vom ringsum Sichtbaren ausgespart geblieben: im Westen die Industrie, die Wohnanlagen, moderne Ästhetik, auch sie hat ihre Gesetze und ihre Botschaft, doch berührten sie mich nicht so wie jenes Haus mit Ziegeldach in der Uckermark.

Es ist sowieso letztendlich ein halb rückwärts gerichteter Blick, mit dem ich Landschaft sehe, mein noch immer romantischer Blick fällt auf die Dörfer des Saarlands oder auf die Kirchen der Insel Reichenau.

Es ist eben auch ein Blick auf die Vergangenheit, mit dem hier das Land gesehen wurde, denn nur im Bewahrten zeigt sich die Verschiedenheit des Ganzen, zeigt sich das Land, zeigt sich Geschichte. Das Neue, die Parkplätze, die Industrieanlagen und die Hochhäuser, das Neue, sieht überall gleich aus."

Dieter Stolte, Intendant des ZDF, sah im Bundeskanzleramt Fußmanns Bilder und holte die Ausstellung auf den Lerchenberg, wo sie im Sendezentrum von diesem Sonntag an bis zum 23. Februar (täglich von 10 bis 17 Uhr) gezeigt wird. Die hier in Schwarzweiß gedruckten Bilder geben bei weitem nicht den Charme und die Schönheit der durchweg farbigen Bilder und Skizzen wieder. Keiner kann mit einem so kräftigen Gelb ein blühendes Rapsfeld in Schleswig-Holstein malen wie er. Und erst das Rot der Dächer von Quedlinburg.

Frei nach dem Michelin-Führer: Die Ausstellung verdient einen Umweg.