BAD WIMPFEN. - Wohl dem, der Schwein hat.Viel Schwein.Tausende Schweine.Wie Erika Wilhelmer, Betreiberin von Deutschlands einzigem Sammler- und Glücksschweinemuseum. 12 000 Exponate zeigt sie in ihrem verwinkelten Haus in Bad Wimpfen.Auf 400 Quadratmetern stellt sie Kunst, Kitsch und Antiquitäten aus."Das Haus ist wie für mich geschaffen", sagt die Sammlerin, bei der die Plüschschweine die Einbauküche der Vormieter bevölkern.Und doch will sie das malerische Wimpfen bald verlassen - zuwenig Unterstützung vo n städtischer Seite. "Das würde ich bedauern", sagt Claus Brechter, Bürgermeister der "größten Stauferpfalz nördlich der Alpen"."Es ist ein bunter Punkt in unserer Stadt, auch wenn es nicht unbedingt zu den Staufern paßt."Warum eigentlich? fragt sich Erika Wilhelmer.Ein Barbarossa mit Schweinsohren - für die ehemalige Wirtin durchaus vorstellbar. "Herr Brechter liebt seine Kultur und hat noch nicht gemerkt, daß das Schwein auch Kultur ist", sagt Wilhelmer und verweist auf hundertjährige Schweine aus Zinn, Porzellan und Bakelit, auf Filmplakate, Kinderbücher und ihre neue Galerie: Das Schwein in der Kunst."Aber Wimpfen will eben nicht die Stadt der Schweine sein." Wimpfens Image setzt auf Historisches: den altdeutschen Weihnachtsmarkt, die als Kaiserin Beatrice verkleidete Stadtführerin oder das Kräuterweible, das jenen Trunk anbietet, der laut Legende die Soldaten im Dreißigjährigen Krieg gesund machte.Bad Wimpfen - die Schweineperle am Neckar, von solchen Slogans hält Bürgermeister Brechter wenig.Den Vorwurf, das Museum sei schlecht ausgeschildert, kann er nicht nachvollziehen. Zwar liegt das Schweinemuseum in einer Seitengasse der Hauptstraße, aber zu übersehen ist es in der mittelalterlichen Altstadt eigentlich nicht.Bereits vor den Stadttoren begrüßen den Besucher drei rosa Schweinchen, und in der Hauptstraße stolpert man über den Wegweiser zu den Schweinen. Jährlich kaufen 25 000 Besucher eine Eintrittskarte mit aufgeklebtem Glückspfennig als Wechselgeld.Zuwenig, um in die Gewinnzone zu kommen, erklärt Erika Wilhelmer.Sie schätzt, daß 12 000 bis 15 000 Besucher ausschließlich wegen des Museums nach Bad Wimpfen kommen. Schließlich wird die Fangemeinde über den Schweinekurier für Klubmitglieder auf dem laufenden gehalten - eine kostenlose Werbung für die Stadt. Mit Rundbriefen, Wanderausstellungen und dem "Schweinekaufhaus" im Erdgeschoß vermarktet Wilhelmer ihre Sammlung konsequent. Aber wenn das künftig in Stuttgart besser gehe, dann wandere sie ab in die Landeshauptstadt.Dort hat sie sich für das Verwaltungsgebäude auf dem ehemaligen Schlachthofgelände beworben und den ersten Probelauf hinter sich: Sie rief im Oktober 1996 den Weltschweinetag ins Leben, der an zwei Tagen so viele Besucher zählte wie das Wimpfener Museum im ganzen Jahr."Die Stadt würde mir nicht nachtrauern."