Herr Flasbarth, können Sie sich noch daran erinnern, seit wann die Bundesregierung versucht, das Naturschutzgesetz zu novellieren?

FLASBARTH: Ziemlich genau seit dem Amtsantritt von Kanzler Helmut Kohl, also seit 1983.

Was macht die Sache so schwierig?

FLASBARTH: Das Vorhaben ist letzten Endes immer daran gescheitert, daß man keine Lösung für den Konflikt zwischen Landwirtschaft und Naturschutz gefunden hat. Die Bauern sind aber die Hauptverursacher des Artensterbens, der Landschaftszerstörung, und sie tragen wesentlich zur Belastung von Gewässern und Böden bei: durch Pestizide, aber auch durch Dünger. Wenn man sie nicht in die Pflicht nimmt, muß jeder Naturschutz scheitern. Vor dieser Herausforderung haben die Politiker bisher immer kapituliert.

Auch der jüngste Reformversuch von Umweltministerin Angela Merkel ist ja bereits wieder vom Bundesrat abgeschmettert worden. Zu Recht?

FLASBARTH: Der schlechte Regierungsentwurf war nicht zustimmungsfähig.

Die Bundesregierung hatte sich die Zustimmung der Agrarlobby darüber erkauft, daß den Bauern für Naturschutzauflagen grundsätzlich ein finanzieller Ausgleich zu zahlen ist. Die Rechnung sollten die Länder zahlen, was so natürlich nicht akzeptabel ist. Aber ich ärgere mich darüber, daß die Länder lediglich in der Ablehnung einig waren, aber schon bei der Formulierung der Eckpunkte für geforderte Änderungen diese Allianz zerbrochen ist. So hat ausgerechnet das rotgrüne Hessen bei den Umweltanforderungen an die Landwirtschaft nicht mitgemacht.