Im Jazz gibt's nichts zu lachen. Meist umweht ihn existentialistischer Hauch und expressiver Rauch, am liebsten in Schwarzweiß mit harten Konturen. Der übliche Ort der Handlung: der Konzertsaal, die Garderobe.

Die Zeit: nachts, der Morgen danach. Bei William Claxton scheint die Sonne, die Musiker genießen frische Luft, es geht ihnen gut, sie lachen. Sicher liegt es an Claxtons Heimat Kalifornien, daß ihm Hollywoods Licht vertrauter leuchtet als der diffuse Schummer dunkler Clubs, die entspannte Atmosphäre des Studios menschlicher als die schweißüberströmte Ekstase auf der Bühne. William Claxton, 1927 in Pasadena geboren, ruhmreicher Photochronist des Jazz, gefeierter Klassiker pazifischer Plattencover, hat mit "Claxography" ein Resümee seiner Musikbilder zusammengestellt, voll Altershumor, zwischen der Improvisation des Augenblicks und der Komposition des Glamourportraits pendelnd ("Claxography" Nieswand Verlag, Kiel 132 S., Abb., 98,- DM). Dem Fan dienen die Bilder als Ikone, nur ihm erschließt sich die Geschichte dahinter, nur er kennt ihren Klang. Den anderen zeigt Claxton die Spannung zwischen Gesichtern und Licht, zwischen Instrument und Körper. Der Betrachter muß nicht wissen, wer im Bild ist. Ein unsicheres Grinsen ohne den Schutz einer Sonnenbrille, ein triumphierendes Lachen ins Leere, ein träger Blick über die Tasten - die Selbstinszenierung gerät zur menschlichen Pose. Das "kindlich Unbefangene" und die "starke Disziplin" faszinieren Claxton an Jazzmusikern, und in dieser Mischung liegt auch seine Kunst. Wer sich allerdings daran erinnert, wie viele Junkies und Alkoholiker hier in edlem Glanz verewigt sind, wundert sich, warum die Bilder so schön geraten. Seine Photographien teilen das Schicksal des Jazz: der gefrorene Schein fürs Regal, ein kleines, unsicheres Lächeln für den Augenblick. Schon vorbei.