Der harsche Satz, mit dem vor vier Jahren Frankreichs damaliger Innenminister Charles Pasqua den Schwenk in der Ausländerpolitik seines Landes ankündigte, hätte auch in Bonn, London, Den Haag oder Madrid fallen können: "Wir werden illegale Einwanderer mit Flugzeugen, Zügen und Schiffen zurückbringen, bis die Welt die Botschaft verstanden hat." 1993 war das Jahr, in dem ganz Westeuropa die Zugbrücken hochzog. Flüchtlinge sind unerwünscht, und jene, denen man wie im Fall der Bosnier vorübergehend Schutz bieten muß, werden nur widerwillig geduldet.

Der belgische Journalist Chris de Stoop klagt diese Politik an, ihren verengten Blickwinkel, die eisernen Gesetze, die kalte Sprache der Administratoren, die rücksichtslose Härte der Exekutoren.

Im Mittelpunkt des Buches steht die Geschichte der jungen Frau Aziza Mandova. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern hatte sie sich von Makedonien auf den Weg nach Deutschland gemacht.

Daheim konnten sie nicht bleiben, weil sie als Roma täglich drangsaliert wurden. Die Bundesrepublik gewährte ihnen kein Asyl, weil die allgemeine Diskriminierung dieser Volksgruppe nach der strengen Auslegung des Gesetzes kein Asylgrund ist. "Zieh, Gauner, zieh", riet man den Mandovas auch in Köln und verpackte diese Aufforderung in bürokratisch nüchterne Begriffe wie "Ablehnung des Antrags", "Ausweisung" und "Abschiebung".

Aziza Mandova und ihre Familie lebten in Verstecken, froren in einem feuchten Kirchenkeller und wurden für viele Monate auseinandergerissen, weil starre Beamte die Asylverfahren der Eheleute getrennt behandelten.

Aziza kam ins Gefängnis und wurde nach Skopje abgeschoben. Auf verschlungenen Pfaden kehrte die junge Rom zurück und mußte von neuem untertauchen. Rechtsradikale verteilten inzwischen Fahndungsplakate und hatten auf Azizas Kopf tausend Mark "Belohnung" ausgesetzt.

"Hunde dürfen auf die Straße", schrieb der neunjährige Jojo in einem Brief an einen deutschen Klassenkameraden, "aber ich darf nicht raus, sonst werde ich verhaftet." Deutsche Helfer brachten die Familie schließlich nach Holland. Doch auch hier fanden sie auf Dauer keine Herberge. Gegen Flüchtlinge schotten sich mittlerweile alle Westeuropäer ab.