Um mit dem Klischee vom Rollenbild einer Architektin zu beginnen: Grete Schütte-Lihotzky ist die Erfinderin der sogenannten "Frankfurter Küche", die bei Ernst May im Hochbauamt der Stadt am Main zwischen 1926 und 1930 in mehreren Varianten entwickelt und in einer Serie von über zehntausend Stück gebaut wurde. Die Architektin haßt bis heute das Kochen und hat darin, wie sie sagt, nur mäßige Fähigkeiten entwickelt. Ihr ging es im "Neuen Frankfurt" um eine Rationalisierung des Haushalts, um die Entlastung der berufstätigen Frau und, ganz im Sinne von Adolf Loos, um die Vermeidung unnützer Arbeit. Der Erfolg ihres Modells, das nach dem Zweiten Weltkrieg als "Amerikanische Küche" in unseren sozialen Wohnbau zurückgekehrt ist, war genaugenommen für die vielseitige Architektin ein Verhängnis, denn seit den dreißiger Jahren ist ihr Name an einen Küchenentwurf gebunden.