Manchmal sind Stiftungen tatsächlich Anstifter. Waren nicht, fragten sich die Kuratoren der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart vor einigen Jahren, mit der Vereinigung und dem Fortfall der Zwangsjacke ostwestlicher Rivalität auch Gewicht und internationale Verantwortung der Republik gewachsen? Und mußte nicht etwas geschehen, damit gerade Hochschulabsolventen auf die damit einhergehenden Führungsaufgaben vorbereitet würden?

Die Bosch Stiftung handelte und schob damit auch viel ideologisches Geröll, das den Begriff "Elitenausbildung" immer noch erstickt, beherzt beiseite. Wie es schwäbischer Verantwortungsethik entspricht, tat sie dies gleich auf doppelte Weise: Gute Leute sollten gewonnen und zugleich die bestehenden Ausbildungsinstitutionen zur Nachahmung angespornt werden.

Das "Stiftungskolleg für internationale Aufgaben" gibt frisch examinierten Studenten die Chance, praktische Erfahrung im internationalen Bereich zu erwerben (was die spätere Auswertung für eine Dissertation nicht ausschließt). Zwanzig "Kollegiaten" werden in eingehenden Gesprächen aus einer großen Zahl von Bewerbern ausgewählt. Jeder von ihnen erhält ein dreizehnmonatiges Stipendium von monatlich 2500 Mark und muß sich selbst um ein Auslandspraktikum bemühen. Etwa notwendige Sprachstudien - das Erlernen der Sprache des Ziellandes ist Pflicht - werden zusätzlich finanziert. Am Ende müssen die Kollegiaten einen schriftlichen Bericht vorlegen, den die Stiftung veröffentlicht.

Das allein ist in der deutschen Stiftungspraxis schon ungewöhnlich. Noch bemerkenswerter jedoch sind die Anstrengungen, die Bosch macht, um die Kollegiaten auf ihre Aufgabe vorzubereiten und sie zu einer Crew zusammenzuschmieden.

Zu Beginn des Kollegjahres, jeweils im Herbst, kommen die Auserwählten zu einer vierwöchigen Einführung zusammen, in der ihnen die Vielfalt und Problematik internationaler Fragen und internationaler Organisationen nahegebracht werden. Am Ende ihrer Kollegzeit erstatten sie Bericht und geben ihre Erfahrungen an die nächste Jahrgangsgruppe weiter, bevor sich diese dann auf den Weg in das ausländische Abenteuer macht.

Die Stiftung überläßt den Kollegiaten die Auswahl ihrer jeweiligen Projekte und der entsprechenden Praktika, aber sie gibt Schwerpunktregionen vor. Zur Zeit sind es vor allem jene Teile der Welt, in denen dramatische politische und wirtschaftliche Transformationen vonstatten gehen - Mittel- und Osteuropa, Zentralasien und der Nahe Osten. Abgeschlossenes Hochschulstudium, projektbezogene Vorkenntnisse und Sprachfähigkeiten werden verlangt. Mindestens sechs Monate des Kollegjahres sind für die Arbeit im Ausland vorgesehen, der Rest für die fachliche Vorbereitung. Die Studienrichtung der Bewerber ist dabei Nebensache. Pädagogen, Slawisten, Islamisten, Agrarwissenschaftler, Ingenieure, sogar eine Theologin gehören zu den Kollegiaten 1996/97.