Das ganze World Wide Web ist aus Querverweisen geknüpft, aus Links, die uns von einem Dokument zum nächsten führen, gleich wo es ist, und jeder Betreiber von Web-Seiten darf per Link verweisen auf das, was ihm beliebt. Mit dieser Idylle könnte es bald ein Ende haben. Die Staatsanwaltschaft I beim Berliner Landgericht ist der Meinung, es sei strafbar, wenn man einen Link zu Stellen im Netz legt, die deutsches Recht verletzen. Deshalb erhob sie Klage gegen Angela Marquardt , die ehemalige stellvertretende Vorsitzende der PDS . Der Vorwurf lautet auf Hilfeleistung und Billigung eines gemeingefährlichen Vergehens nach § 316 b Abs. 1 StGB. Angela Marquardt hatte bekanntlich ihre Homepage bei dem Online-Dienst Compuserve mit einem Verweis auf die Online-Ausgabe der Zeitschrift Radikal versehen, die auf einem holländischen Netzrechner ausliegt. Hierzulande ist sie verboten.

Diese Klage eröffnet spannende Perspektiven: Kommt sie durch, so sind zunächst einmal Hunderte von deutschen Web-Seiten inkriminiert, die ebenfalls Links zur Radikal aufweisen. Fast jede größere deutsche Zeitung, die über den Fall berichtete, hat solche Links zu bieten. Selbst die Betreiber von Suchmaschinen, die die Netzadresse der Radikal in ihren automatisch erstellten Registern haben, bekämen wohl Schwierigkeiten.

Noch bewegender ist die Frage nach den Grenzen der Strafbarkeit in einem Netz, in dem letztlich alles aufeinander verweist. Ist der Link zu einer Seite, die zu einer strafbaren Seite führt, vor Strafbarkeit gefeit? Wenn nicht, müßte schon mit einem Verfahren nach § 140 StGB rechnen, wer auch nur einen Link auf die Homepage von Marquardt eingebaut hat.

Das betrifft unter anderem die PDS mit ihren diversen Web-Seiten bei AOL, T-Online oder Compuserve - und über sie womöglich auch den deutschen Bundestag, der von seiner Niederlassung im Netz aus immerhin auf das PDS-Angebot verweist.

Die Angeklagte hat übrigens auf ihren Web-Seiten deutlich vor dem Inhalt der Radikal gewarnt. Man kann sich jederzeit davon überzeugen. Compuserve hat zwar den Zugang zu diesen Seiten gesperrt, der kleine Freiburger Online-Verlag yellow internet publishing aber hat sie gleich wieder veröffentlicht - wohlweislich auf einem Netzrechner, der in England steht.

Setzt sich die Auffassung durch, ein Link könne strafbar sein, käme die Netzwelt ganz schön in Schwung. Weil sich ihre Inhalte ständig ändern, wäre jeder Betreiber einer Homepage von Strafverfolgung bedroht, auch ohne daß er einen Finger gekrümmt hat. Könnte ja sein, daß sich an den Stellen, auf die seine Links verweisen, gerade etwas Verbotenes tut. Um sicherzugehen, müßte er wohl täglich oder besser stündlich nachsehen.