Die freundliche Dame am Servicetelephon rät zur Eile. "Am besten, Sie melden sich schnell beim nächsten Daewoo-Händler, bevor die Konkurrenz die Aktion wieder verbieten läßt." Und in der Tat, das phantastisch klingende Versprechen des koreanischen Automobilbauers, wonach der Käufer eines neuen Daewoo "Nexia" oder "Espero" vier Jahre Fahrzeuggarantie, drei Jahre Wartung inklusive, zwei Jahre Kfz-Steuer inklusive, ein Jahr Versicherung inklusive, und das bei Null Mark Anzahlung, dreinbekommt, hielt nicht lange vor.

Die Aktion unter dem Slogan "Der Daewoo Countdown läuft . . ." wurde seit dem 11. Januar mit einer massiven Werbekampagne gestartet. Doch schon am Nachmittag des 17. Januar stoppte das Landgericht Wiesbaden per einstweiliger Verfügung den Verkaufsschlager. Die Werbeaussagen verstießen gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG).

Mit Verboten haben die Koreaner schon Erfahrung: "Geben Sie uns Ihre alte Möhre", hieß es erst im Dezember in einer Werbekampagne. Daewoo-Einsteigern wurde für ihren Gebrauchten 4000 Mark über dem aktuellen Listenschätzpreis versprochen. Auch diese Aktion hielt nicht einmal eine Woche stand: Sie verstieß gegen das Rabattgesetz.

Derart dreiste Werbeaktionen seien ihm in den vergangenen fünfzehn Jahren nicht untergekommen, sagt Helmut Blümer vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Der Verband ließ denn auch über seine Schwesterorganisation Zentralvereinigung des Kraftfahrzeuggewerbes zur Aufrechterhaltung lauteren Wettbewerbs e. V. (ZLW) die Koreaner abmahnen und die Kampagnen verbieten. "Schließlich müssen wir 33 000 Autohändler vor Praktiken schützen, die gegen geltendes Recht verstoßen", sagt Blümer.

Der Wettbewerbsverein hat einige Haken an der Daewoo-Werbung entdeckt: So wurde in der Kampagne nicht darauf hingewiesen, daß die Vierjahresgarantie nur für den Erstkäufer gilt und beim Weiterverkauf nicht übertragen werden kann, auch daß bei "3 Jahre Wartung inklusive" kleine Reparaturen wie etwa neue Bremsbeläge nicht eingeschlossen seien und daß die "Versicherung inklusive" beim Deutschen Lloyd abgeschlossen werden müsse, werde verschwiegen.

Das Vorgehen des ZDK erbost wiederum Gerhard Schwartzkopf. "Da steckt wieder mal der typische deutsche Neidkomplex dahinter", schimpft der Chef des Autohauses Wandlitz und Sprecher von rund 300 deutschen Daewoo-Händlern. Doch allzu traurig sind Schwartzkopf und Kollegen dennoch nicht. Schließlich löste die Kampagne einen regelrechten Ansturm bei den Daewoo-Händlern aus. "Unser Hof ist leer, und wir verkaufen jetzt die Vorführwagen", berichtet Schwartzkopf. Schon die Möhren-Aktion im Dezember habe Daewoo 5000 Kaufverträge gebracht, die Countdown-Kampagne werde mindestens die gleiche Anzahl bringen. Angesichts der bescheidenen Anzahl von 19 000 Daewoo-Verkäufen im Gesamtjahr 1996 ist die Freude verständlich.