ZEIT: Im Jahre 1990 haben Sie uns den Begriff der Lean Production beschert und diese Art der Produktionsverschlankung in Europa populär gemacht. Nach Ihrem Rezept hat die europäische Industrie seither Hunderttausende von Jobs gestrichen. Haben Sie kein schlechtes Gewissen?

Jones: Besorgt bin ich nur über Maßnahmen, die unter dem Mantel der Verschlankung daherkommen, aber den Beschäftigten schaden. In vielen Unternehmen ist Personal reduziert worden, ohne wirklich die Prinzipien der Lean Production zu beachten. Wenn Sie dagegen die Mitarbeiter ernsthaft in den Versuch einbinden, Verschwendung und Leerlauf zu beseitigen und so die Leistung zu steigern, können Sie nicht gleichzeitig permanent Jobs streichen. Allerdings war beispielsweise die deutsche Autoindustrie Anfang der neunziger Jahre personell enorm aufgebläht - der Abbau wäre auch ohne uns gekommen.

ZEIT: Das Opel-Werk in Eisenach gilt heute als deutsches Musterbeispiel für schlanke Produktion. Diese Fabrik ist zwar hochproduktiv, die Beschäftigten klagen aber über enormen Streß - der unvermeidliche Preis der Effektivität?

Jones: Toyota hatte die gleichen Probleme in Japan wie auch Nissan mit seiner englischen Vorzeigefabrik. All diese Betriebe schraubten das Streßniveau zu hoch. Nachdem die Japaner erst versuchten, dem Problem mit höherer Automation beizukommen, entwickeln sie jetzt Techniken, um den Streß zu reduzieren und die Abläufe so zu verändern, daß auch ältere Beschäftigte und Frauen in der Fabrik wieder mithalten können.

ZEIT: Eine schlanke Fabrik braucht nicht unbedingt eine olympiareife Belegschaft?

Jones: Nein. Nehmen Sie etwa die nach den neuesten Erkenntnissen umgestalteten Abläufe bei Porsche. In den Produktionshallen in Zuffenhausen herrscht wenig Streß. Die Arbeitnehmer verbringen aber immer mehr Zeit mit produktiver Arbeit, anstatt irgendwelchen Teilen hinterherzulaufen. Opel würde das in Eisenach heute auch schon besser anpacken.