Auf den ersten Blick ist "Opera Fatal" ein Computerspiel wie viele andere auch. Es gilt, an ein Ziel zu gelangen, und der Weg dorthin ist mit vielen Aufgaben gepflastert. Schauplatz ist ein Opernhaus, an dem die angekündigte Premiere auszufallen droht, denn dem Maestro wurden die Noten gestohlen. Doch scheint der Dieb eine pädagogische Ader zu haben: Er schickt den Bestohlenen auf eine Schnitzeljagd nach dem Diebesgut durch das ganze Haus.

Der Benutzer übernimmt die Rolle des Maestro und kommt so, verlockt von den Hinweiszetteln des Diebes, nach und nach in jeden Winkel. Im Keller findet er die eingemotteten Kulissen vergangener Aufführungen, und in verschiedenen Winkeln verbirgt sich ein Potpourri von Souvenirs rund um die Musik - vom antiken Konzertprogramm bis hin zum Autogramm eines Popstars, das zusammen mit einer angebissenen Pizza in einer Schublade des Kassenhäuschens ruht.

Alles ist liebevoll gestaltet bis ins Detail, und obendrein ist im Lauf der abenteuerlichen Suche eine Menge zu erfahren. Sogar Heizungsventile haben hier musikalisches Talent, und Türschlösser sind nur mit den Tönen bestimmter Intervalle oder mit Jahreszahlen aus der Musikgeschichte zu knacken.

Alle Fragen, die der Notendieb stellt, können mit Hilfe der hauseigenen Bibliothek beantwortet werden. Hinter deren angestaubten Buchdeckeln verbirgt sich eine wahre Schatzkiste des multimedialen Lernens. Vier musikalische Epochen - vom Barock bis zum Impressionismus - sind hier für Augen und Ohren aufbereitet. Man kann sich Musikstücke vorspielen lassen; parallel dazu werden die Noten eingeblendet, und eine mitlaufende Markierung zeigt, wo man sich gerade befindet.

Die Möglichkeiten des Computers zeigen sich besonders dort, wo die Zeichensprache der Noten veranschaulicht wird: Intervalle erklärt die CD-ROM etwa nicht nur anhand der schwarzen Köpfchen auf den fünf Linien, sondern viel eingängiger anhand einer Klaviertastatur. Kompositionen werden nach Themen und Motiven zergliedert, und dabei wird, was man gerade hört, gleichzeitig auf der Partitur optisch demonstriert.

Vielen der vorprogrammierten Theorie-Einheiten sind Übungen angegliedert, die zum Herumspielen mit einem Metronom genauso einladen wie zum ernsthaften Studieren von Harmonien. Das Kapitel Instrumentenkunde schließlich hat ein kleines Kino zu bieten, in dem Musiker per Video ihre Instrumente vorführen.

War da nicht noch etwas? Ach ja, das Spiel. Selbstverständlich kann man jederzeit zwischen den beiden Ebenen von "Opera Fatal" hin- und herschalten. Und die Versuchung, sich in der Sammlung ansprechend vermittelten Musikwissens zu vertiefen, ist mindestens genauso groß wie die, vor dem Abschalten des Computers in den gruseligen Kellergewölben der Oper noch einen weiteren Zettel mit einer gemeinen Aufgabe zu finden. Sehr empfehlenswert für Menschen ab zehn.

Barbara Schnell

Opera Fatal; für PC und Macintosh; Klett Verlag, 98 Mark