Eine magische Grenze ist gefallen: Aus 7264 Prozessoren des Typs Pentium Pro montierte vor ein paar Wochen der amerikanische Prozessorhersteller Intel den schnellsten Computer der Welt zusammen. Die Maschine schafft mehr als eine Billion Rechenoperationen pro Sekunde (im Fachjargon: ein Teraflops). Gebaut wurde sie im Auftrag des Washingtoner Energieministeriums; mit ihr sollen Atomwaffenversuche simuliert werden.

Auf der Liste der 500 schnellsten Rechner, die Mitarbeiter der Universitäten Mannheim und Tennessee zweimal jährlich erstellen, taucht der Gigant von Intel zwar noch nicht auf. Doch auch hier dominieren die sogenannten Parallelrechner, bei denen sich mehrere Rechenwerke die Arbeit teilen. Unter den ersten zehn finden sich sechs Maschinen mit jeweils mehr als tausend Prozessoren.

Vor wenigen Jahren waren sie noch Exoten. Da gab es fast nur Computer, in denen ein einzelner Prozessor seine Arbeit hübsch der Reihe nach erledigte, einen Rechenschritt nach dem anderen. Ein zeitraubendes Verfahren, das im richtigen Leben absurd anmuten würde. Man stelle sich vor, Michael Schumacher brauste zum Reifenwechsel an die Boxen und nur ein einziger Mechaniker dürfte sich ans Werk machen.

Die schnellsten Computer der Welt benötigten bei dieser Bauweise eben auch die schnellsten Prozessoren. Das waren ungemein teure Spezialkonstruktionen, die aufwendig mit Kühlmitteln vor dem Verglühen bewahrt werden mußten. Heute sind die meisten Supercomputer Parallelrechner, und ihre Spitzenleistungen beruhen auf der Zusammenarbeit vieler billiger Mikroprozessoren, wie man sie auch in einem PC oder in einer Workstation findet.

Der Trend gehe zu Maschinen mit solchen Standardprozessoren, die sich nach dem Baukastensystem erweitern ließen, sagt Ulrich Trottenberg vom GMD-Forschungszentrum Informationstechnik in St. Augustin bei Bonn. Der Käufer könne mit wenigen Recheneinheiten anfangen und später weitere nachrüsten. "Alle Firmen, die eigene Prozessoren für Parallelrechner entwickelt haben, sind daran zugrunde gegangen."

Der schnellste in Europa installierte Computer dieser Gattung nimmt Platz zehn der Rangliste ein. Er stammt von dem japanischen Hersteller Fujitsu und steht seit September vergangenen Jahres im Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage im englischen Reading. Auch der Deutsche Wetterdienst in Offenbach will noch in diesem Jahr auf solch einen Rechner umsteigen.