Ein Fahrzeug aus Testzwecken gegen die Wand zu setzen kostet mehrere hunderttausend Mark. Soweit wie möglich wollen die Automobilunternehmen daher ihre Versuche in den Computer verlegen. Das erfordert aber viel Rechenleistung. "Crash-Simulationen sind das Sesam-öffne-dich-Wort für Parallelrechner in der Industrie", sagt Wolfgang Gentzsch, Professor an der Fachhochschule Regensburg und Chef von Genias, einem der beiden Softwarehäuser in Europa (neben Pallas in Brühl), die sich auf parallele Systeme spezialisiert haben.

Die Firma Pars in Altenau stellt Lenkräder für Automobilfirmen her. Um neue Modelle in Crash-Simulationen zu testen, rechnet eine Workstation mehrere Wochen. Weil in dieser Branche die Zeit immer drängt, muß Pars die Gußformen bestellen, bevor die Resultate vorliegen. Sind Änderungen nötig, müssen die Formen kostspielig umgebaut werden. Nun will sich das Unternehmen zwar nicht gleich einen teuren Parallelrechner zulegen. Aber künftig sollen dank Europort gleichzeitig alle verfügbaren Workstations an einer Simulation arbeiten und sie so um ein Vielfaches schneller machen. Jeder Prozessor ist dabei für ein Teilstück des Lenkrads zuständig. Einsparungen von drei Millionen Mark jährlich verspricht sich Pars dadurch.

Ein anderes Beispiel: Die britische Firma Animo produziert Cartoons für die Filmindustrie, unter anderem für Warner und Spielberg. Europort parallelisierte die Programme für die Nachbearbeitung der Bilder im Computer. Hunderte von PCs können nun gleichzeitig an einer Szene feilen.

Auf den Plätzen 230 und 231 der schnellsten 500 sind die ersten Computer zu finden, die nicht von einem japanischen oder amerikanischen Hersteller stammen. Die beiden GC PowerPlus der Aachener Firma Parsytec mit je 192 Prozessoren laufen an den Universitäten Heidelberg und Paderborn.

Parsytec, weltweit einer der ersten Hersteller, die ausschließlich auf paralleles Rechnen setzten, hat sich inzwischen auf Mustererkennung spezialisiert. So kontrolliert zum Beispiel ein Computer aus Aachen die Qualität der Bleche des zweitgrößten Stahlwerks der Welt, das die Pohang Iron & Steel Company in Südkorea betreibt. 900 Meter Blech sausen pro Minute an 80 Kameras vorbei. Auf deren Bildern erkennt der Rechner noch Defekte, die kleiner als ein Millimeter sind. Andere Parsytec-Computer entziffern Handschriften oder spüren in Durchleuchtungsgeräten für Fluggepäck Sprengstoff auf.

Der Markt für die neue Computertechnik rührt aber nur zu etwa einem Drittel vom klassischen "Number-Crunching", der Zahlenfresserei, her. Den Rest macht die Datenverwaltung aus. Wollen Unternehmen große Datenbestände durchforsten, teilen sich meist viele Prozessoren die Mühe. Beim führenden US-Paketdienst Federal Express gewährleisten Parallelrechner, daß jeder Kunde via Internet abrufen kann, wo sich das Paket, das er erwartet, gerade befindet. Liegt es noch in New York oder bereits beim Frankfurter Zollamt?

Jörg Thielges, Spezialist für Großrechner bei IBM , berichtet von einer amerikanischen Kaufhauskette, die innerhalb weniger Minuten herauskriegen wollte, welcher Badeanzug sich am besten verkaufte. Paralleler Datenverarbeitung zufolge ging ein Modell, das ausrangiert werden sollte, in Kalifornien gar nicht. In Texas hingegen war es der Renner. Also ließ das Management die restlichen Bestände nach Austin, Houston und Dallas bringen.