Die großen Augen wirken durch die Brille noch größer. Die Wangen, glatt rasiert, sind nur unmerklich schmaler als auf den Photos, die auf der Wohnzimmerschrankwand stehen. Der Mann schaut kurz hoch, dann vertieft sich sein Blick wieder in den Teller mit Spinat und Reis. An der rechten Hand trägt er einen braunen Lederhandschuh.

Die Hand führt, in gleichmäßigem Rhythmus, langsam das Essen zum Mund. Es ist keine Zeit zu verlieren.

Neben dem Teller steht ein Schachbrett, bereit für ein Spiel.

"Den Spinat mußt du noch essen", sagt seine Frau. Er schaut wieder kurz hoch, verweilt einen Augenblick. Dann ißt er weiter, bis nur noch ein paar Reiskörner auf dem Teller liegen. Mit einem kleinen Löffel schiebt er die Körner hin und her, langsam, einem inneren Takt folgend. Franz Kerner

hat sich zurückgezogen von der Welt. Aus seinem Mundwinkel hängt verloren ein Stückchen Spinat.

Er bemerkt es nicht. Franz Kerner hat Alzheimer.

Alzheimer bedeutet Verlust, Verlust des Gedächtnisses, der Orientierungsfähigkeit, der Wahrnehmung. Alzheimer bedeutet nicht den Verlust des eigenen Ich. Nur die Brücke zur Umgebung zerbricht.