Die Aufregung hat Tradition: Alle Jahre wieder decken die Rechnungshöfe von Bund und Ländern hanebüchene Verschwendungen von Steuergeldern auf. Mal ist es die luxuriöse Ausstattung eines Ministerbüros, mal eine sinnlos in die Landschaft gestellte Brücke, mal verrotten in den Amtsstuben teuer angeschaffte Computer. Satte siebzig Milliarden Mark sind so alljährlich perdu, sagt der Bund der Steuerzahler.

Die Nation ist sich jedesmal einig - das muß abgestellt werden!

Die Schlagzeilen verbleichen, Minister und Beamte gehen zur Tagesordnung über, die Verschwender bleiben ungestraft in ihren Ämtern - auch das hat Tradition.

Doch jetzt soll sich alles ändern. Der Steuerzahlerbund will die staatlich besoldeten Sünder gnadenlos mit Anzeigen überziehen.

Wie gemeine Straftäter sollen die amtlichen Verschwender ihre Verfehlungen büßen. Wir hören es mit Vergnügen - und denken an den Spruch mit der Krähe. An Besserung glauben wir erst, wenn der erste Minister einen Strafbefehl kassiert. Denn schließlich bekleiden auch Staatsanwälte und Richter öffentliche Ämter.