ZEIT: In diesen Tagen gibt es fast niemanden, der sich nicht als Erbe Ludwig Erhards sieht. Aber der Kampf gegen Wettbewerbsbeschränkungen in Erhards Sinne ist sehr unmodern geworden. Warum?

Wolf: Erhard und seine Vordenker wie Walter Eucken oder Franz Böhm kannten die Gefahren einer hochkartellierten Wirtschaft.

Dieses Bewußtsein ist uns verlorengegangen. Ich bin überrascht, wie unbefangen auf allen möglichen Gebieten davon gesprochen wird, da müsse etwas reguliert werden, da müßten freiwillige Selbstverpflichtungen her.

ZEIT: Zum Beispiel?

Wolf: Zum Beispiel Umweltschutz. Ich bin nicht gegen freiwillige Vereinbarungen. Aber Kartelle sind etwas anderes. Kartelle regulieren die Wirtschaft wahrscheinlich noch dichter als Gesetze und Verordnungen.

Sie sind undurchsichtig, und ein Dritter muß immer zahlen. Ludwig Erhard sagte zu Recht: Die Vorteile einer funktionierenden Wirtschaft kommen nur dann dem Verbraucher zugute, wenn es keine Kartelle gibt. Im Dritten Reich war die Wirtschaft hochkartelliert, bis hin zu Zwangskartellen.

Auch heute wird wieder über Zwangskartelle nachgedacht - im Rahmen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Was mich dabei immer erschreckt, ist nicht, daß man mal in die falsche Richtung marschiert, sondern daß den Leuten dies gar nicht bewußt wird. Da muß man "Feuer" schreien.