Alle drei Minuten landeten am vergangenen Wochenende die Firmenjets auf dem Lakefront-Flughafen in New Orleans. In mehr als 700 Flugzeugen aus ganz Amerika kamen Konzernchefs und ihr Gefolge, um zu sehen, was als das größte Sportereignis in den Vereinigten Staaten gilt: den Superbowl, das Endspiel um die amerikanische Football-Meisterschaft.

Beim Spiel im Superdome siegten die Packers aus Green Bay/Wisconsin - und das Geschäft. 140 Millionen TV-Zuschauer sahen das Spektakel allein in Amerika, eine knappe Milliarde auf der ganzen Welt.

New Orleans, vermerkte Mark Morial, der Bürgermeister der zuletzt oft wegen Mord und Totschlag in die Schlagzeilen geratenen Stadt, konnte sich über kostenlose weltweite Werbung und einen zusätzlichen Wirtschaftsschub von 250 bis 300 Millionen Dollar freuen. Manche Hotels verzehnfachten ihre Preise, Eintrittskarten für das Spiel kosteten auf dem Schwarzmarkt bis zu 3000 Dollar. "Wir sind eben sportverrückt", spöttelte Craig Roberts, ein früherer Anwalt der National Football League (NFL), der heute in New Orleans Rechtsprofessor ist.

Mehr als jedes andere Land macht Amerika aus dem Sport auch ein Big Business. Von Football, Baseball, Eishockey und Basketball - den vier populärsten Sportarten des Landes - profitieren Städte und Gemeinden, Universitäten und Colleges, Konzerne, TV-Stationen und private Investoren. Fast alle Vereine der großen Ligen sind im Besitz privater Eigentümer, denen es vornehmlich um Profite geht. Der Markt regiert: In Liga-Gesprächen "reden wir weniger über Football als über das Geschäft", sagt Ralph Wilson, der Besitzer des NFL-Teams Buffalo Bills.

Die Football League hat dreißig Mannschaften, praktisch alle ihre Eigentümer haben mindestens 100 Millionen Dollar auf dem Konto.

Die Investitionen lohnen sich: 1959 zahlte Ralph Wilson für die Bills ganze 25 000 Dollar, heute ist der Verein 190 Millionen wert. Bier-Baron James Busch (Budweiser) kaufte die diesmaligen Endspielverlierer, die New England Patriots, 1992 für 100 Millionen Dollar. Neunzehn Monate später brachte ihm der Wiederverkauf sechzig Prozent Gewinn.

Richtig teuer wurde die NFL Ende der fünfziger Jahre, als das Fernsehen erstmals für ein Millionenpublikum und damit rasant steigende Werbeeinnahmen sorgte. Seither lassen sich die Vereine für ihre Shows Jahr für Jahr besser bezahlen. Städte und Gemeinden locken die Teams mit neuen Stadien das Fernsehen legt gewaltige Summen für Übertragungsrechte auf den Tisch. Fox TV zahlte zuletzt für vier Jahre 1,6 Milliarden Dollar an die NFL. Die Spiele der Baseball-Liga kosteten 1,5 Milliarden. Selbst Universitäten und Colleges, die sich nach Meinung von Craig Roberts längst zu "Prostituierten des Sports" gemacht haben, greifen tief in die Taschen der TV- Stationen: Die Übertragung der College-Meisterschaften im Basketball ist dem Fernsehen eine glatte Milliarde Dollar wert.