FRANKFURT AN DER ODER/SLUBICE. Längst sind es nicht mehr nur Schnäppchenjäger und Liebhaber grellbunter Gartenzwerge, die als Einkaufstouristen die polnischen Märkte bevölkern. Und längst sind es nicht mehr nur die nach der Grenzöffnung wie Pilze aus der Erde geschossenen Basare, auf denen sich Deutsche tummeln. Vom Eisenwarenhändler bis zur Apotheke ist der Handel auf die neuen Kunden aus Deutschland eingestellt. Auch das Dienstleistungsgewerbe boomt.

Je weiter sich die deutsche Kundschaft in die Verzweigungen der polnischen Infrastruktur vorarbeitet, um so stärker wachsen die Umsätze und um so größer ist das Bemühen, sich den Standards der westlichen Kundschaft anzupassen. Da wird aus dem kleinen Friseurladen am Eck in Slubice ein piekfeiner Salon, in dem jeder zweite Kunde, egal ob Mann oder Frau, aus Deutschland kommt.

"Inzwischen haben wir vier Beschäftigte", sagt Grazyna Blaszkiewicz stolz. Sie hat in ihr Geschäft investiert und muß heute schon Anmeldungen entgegennehmen, um die Stammkundschaft nicht warten zu lassen. Gefragt ist alles. "Nur Bartrasuren machen wir nicht."

Eine Dauerwelle kostet im Schnitt 28 Mark. "Vor allem geht es sehr schnell", lobt Margit Stephan die geschickten Friseurinnen.

"Das habe ich in Deutschland noch nicht erlebt." Die Geschäftsfrau aus der Nähe von Wilhelmshaven hat den Tip von einem befreundeten polnischen Ehepaar erhalten. "Es war ein Experiment für mich.

Ich würde wieder herkommen."

Im Reisebüro Novicka Travel gehen sogar 60 Prozent der Saisonbuchungen - rund 200 - von deutschen Kunden aus. Ob Wochenendausflug oder Jahresurlaub: Die Fahrt geht in alle attraktiven Gegenden Polens von der See bis zum Gebirge. Das Unternehmen kooperiert auch mit einem Frankfurter Busunternehmen, und deutsche Reiseveranstalter machen in Slubice ihre Angebote für Westeuropatrips. "Das ist dann ein günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis", sagt Malgarzeta Srozynska. Das Büro hat sich auf die Bedürfnisse der Deutschen eingestellt. "Sie erwarten oft einen höheren Standard und wollen viel Luxus für wenig Geld."