Ein paar Schritte weiter bietet Jaroslaw Mytych Eisenwaren, Sanitärkeramik und Elektroartikel an. Sein Renner aber sind Jalousien. Ob Aluminium oder Kunststoff, gelocht, gemustert, mit und ohne Relief und in jeder beliebigen Farbe ist der Quadratmeter bei ihm ab 13,50 Mark zu haben. Seit er in einer deutschen Werbebroschüre seine Offerte gedruckt hat, stellen Brandenburger und Berliner vierzig Prozent seiner Kundschaft. "Meistens kaufen sie dann noch mehr als nur Jalousien", freut sich der Geschäftsmann.

Wanda Szram hat ihr Geschäft erst nach der Grenzöffnung eingerichtet.

Für das Zimmerchen mit den drei Nähmaschinen, dem Bügeltisch und der Schneiderpuppe zahlt sie mehr als für ihre Dreizimmerwohnung.

Dafür kommen regelmäßig Frankfurterinnen zu ihr, um sich für zwanzig bis dreißig Mark aus eigenem Material Hosen und Röcke maßschneidern oder im Herbst ihre Winterkleidung in Schuß bringen zu lassen.

"Einstiegsprobleme hatte ich nicht. Wenn nur die hohen Steuern nicht wären." Schließlich gibt es noch die deutsch-polnische Studentenschaft der Viadrina-Universität in Frankfurt. An ihr verdient vor allem Michalek Karol mit seiner kleinen Offsetdruckerei, in der auch einige Kopiergeräte stehen.

Fast jeden Monat lassen sich an den Hauptstraßen neue Werbeschilder entdecken. Manche verweisen auf ein Geschäft am Rande der Stadt, manche auf den Laden um die Ecke. Immer öfter werben deutsche Schriftzüge für polnische Dienstleistungen. Dem Einfallsreichtum an der Wohlstandskante sind keine Grenzen gesetzt.