Nach einer halbwegs glaubwürdigen Version kam er 1909 als Andreas Cornelis van Kuijk irgendwo in Holland zur Welt, arbeitete eine Zeitlang im Hafen von Rotterdam und erlebte seine Berufung bei einem Wanderzirkus in Florida: daß er nämlich zum Roßtäuscher und Wunderdoktor geboren sei. In Amerika nannte sich Kuijk Tom Parker, und weil er vor allem die Leute in den Südstaaten für dumm verkaufte, verlieh er sich als Gütesiegel den Titel eines Colonels. Er war der erste, der auf die Idee kam, den Rumpf eines Elefanten quadratmeterweise als Werbefläche zu vermieten. Der Oberst machte sich rasch einen Namen in der Branche, weil er Spatzen so schön bunt anmalte und als Kanarienvögel verkaufte. Hühner setzte er auf heiße Herdplatten und ließ sie vor Publikum tanzen.

So kam er ins Showgeschäft.

Elvis Presley, der arme, magere Junge aus Tupelo in Mississippi, konnte zwar singen, und er hatte auch schon ein paar Songs aufgenommen, aber er brauchte einen Windmacher wie diesen Colonel. Tom Parker kaufte ihn 1955 für 35 000 Dollar aus seinem ersten Vertrag frei, brachte ihn ins Fernsehen und baute den schmierig grinsenden Hüftschwenker innerhalb eines Jahres zum Teenageridol Amerikas auf. Elvis sang "Heartbreak Hotel", und Parker sorgte für die stilechte Geschmacklosigkeit: Goldbetreßt fuhr der Sänger im ton-in-ton-goldenen Cadillac auf die Bühne. Gegen eine märchenhafte Gage verkaufte er sein Vögelchen nach Hollywood und sorgte damit für dreißig der schlechtesten Filme aller Zeiten. Als Elvis seinen Einberufungsbescheid erhielt, hatte der Colonel endgültig gewonnen, denn sein Pflegling tanzte jetzt wie eine von Tom Parkers flotten Jahrmarkt-Hühnern: Aus dem aufsässigen Rocker wurde während des zweijährigen Wehrdienstes der patriotische Elvis, wurde Mamas Liebling Elvis, wurde bei Bedarf auch der fromme Elvis.

Nach dem Ende der Wehrdienstzeit ließ ihn sein Manager nicht mehr auftreten und in aller Ruhe dick werden. Elvis wurde in seinem Graceland in Memphis wie ein gefährliches Tier gehalten, und vielleicht gefiel es ihm ja auch. Den ersten Ausbruch, ein Konzert 1969 in Las Vegas, inszenierte wiederum der Colonel. Schließlich gingen die Tantiemen zurück, und dem Manager stand die Hälfte davon zu.

Elvis Presley starb im August 1977, dreizentnerdick, tabletten- und rauschgiftsüchtig, erledigt. Sein Vermarkter, sein Sklavenhalter, manchmal sein einziger Freund, hat ihn um fast zwanzig Jahre überlebt.

Ohne diesen Manager wäre der kleine, magere Presley nie Elvis geworden. Colonel Tom Parker, jahrzehntelang der bekannteste Finsterling im Unterhaltungsgewerbe, starb am Dienstag letzter Woche 87jährig in Las Vegas an den Folgen eines Schlaganfalls.