Jetzt, im Januar, hat er das Schild ausgetauscht. Am Schaufenster seines Ladens klebt ein anderes, wieder ein gelbes. "Wir bieten zwei feste Arbeitsplätze für jungen Mann, der wirklich arbeiten möchte" steht darauf, und das Wort "wirklich" hat Jörg Rademacher dreimal unterstrichen. Fett und rot. Den Text hat er kaum verändert auf dem neuen Aushang. Nur das Reizwort "Weihnachtsgeschenk" fehlt, jetzt, im Januar. Damit hatte Jörg Rademacher es im Dezember versucht.

Als Geschenk wollte er loswerden, wonach zur Zeit in Deutschland rund vier Millionen Menschen suchen: Arbeit.

Er hat sein Geschenk bislang nicht an den Mann gebracht. Und es hat sich auch niemand im Laden erkundigt, was das überhaupt für Arbeit sei. Vielleicht liegt es ja daran, daß der Laden so ungünstig liegt. In einer kleinen Seitenstraße in der Hamburger Innenstadt, eigentlich ganz nah der Einkaufsmeile, aber womöglich doch zu weit entfernt, als daß ein arbeitsloser Mann einfach mal so vorbeischlendern würde. Und ein Mann müßte es schon sein. Die Arbeit, die hier angeboten wird, ist schwere Arbeit. Staubige, schmutzige Arbeit.

Vielleicht liegt es ja daran, daß sich niemand meldet.

Der 51jährige Jörg Rademacher ist der Inhaber von Radi-Parkett und Spezialist für Fertigparkett, Mosaik, Stabparkett, Vollholz- und Landhausdielen. Seit zehn Jahren nennt er sich so. Er hat das Parkett in Jil Sanders Villen an der Alster verlegt, in Hotels, Büros und Wohnungen. Auch noch nach Dienstschluß, dann, wenn die Besitzer zu Hause waren. Weil er sich freut, "wenn die Leute es sich daheim ein bißchen schön machen wollen".

Schon weil er es genauso hält. Auf einer kleinen Elbinsel steht sein Holzhäuschen. Selbst gebaut. Die Photos vom Sommerglück mit Hängegeranien trägt er in der Brieftasche. Er breitet die 9

13-Abzüge auf seinem Ladentisch aus. Auch der ist aus Holz. Einlegearbeit.