Bei einigen Formen der Depression spielen anscheinend Viren eine Rolle. Eine Gruppe um die Biologin Liv Bode am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin isolierte im vergangenen Jahr aus dem Blut dreier depressiver Patienten sogenannte Bornaviren, die bei Pferden und Schafen Verhaltensstörungen auslösen können (ZEIT Nr. 32/1996).

Daß der Erreger Menschen depressiv machen kann, erhärtet jetzt eine weitere Studie des RKI: Bei einer Patientin verschwanden die Symptome, als sie ein Medikament gegen Viren erhielt (Lancet, Bd. 349, S. 178). Das Mittel Amantidinsulfat wird seit dreißig Jahren gegen Infektionen des Grippevirus Influenza A und bei der Parkinsonschen Krankheit verabreicht. Bei der schwer depressiven Frau bewirkte die Arznei innerhalb von zehn Tagen eine erhebliche Besserung ihrer Stimmung, und nach zwei Wochen konnte sie das Krankenhaus verlassen. Allerdings bleiben die Berliner skeptisch, ob das Medikament auch bei anderen Depressiven ähnliche Erfolge erzielen könnte.