NEW YORK. - Eine Industrie, die sich "Evita" einfallen ließ, erregt kaum Erstaunen, wenn sie mit losem Geschwätz den Nazismus und den Holocaust relativiert. Hollywood tut das gerade in großem Stil.

Anfang dieses Monats unterschrieben 34 Schwergewichte des Showgeschäfts, die von Goldie Hawn, Dustin Hoffman und Oliver Stone bis zu Studiochefs reichen, eine ganzseitige Anzeige in der International Herald Tribune (Preis: 56 000 Dollar). Sie beschimpft Helmut Kohl wegen eines "beschämenden Musters von organisierter Verfolgung" der Kirche der Scientologen durch seine Regierung. Der offene Brief, der Parallelen zwischen dem heutigen Deutschland und Nazideutschland zieht, fügte mit unheilschwangerem Tonfall hinzu: "In den dreißiger Jahren waren es die Juden. Heute sind es die Scientologen."

Mit einem Wort - oh! Die Erklärung hat nicht nur den Zorn des offiziellen Deutschland, sondern auch den von prominenten Juden wie Ignatz Bubis provoziert, der den Protest "eine Beleidigung der Erinnerung an die Opfer des Holocaust" nannte. In Amerika kritisierte Abraham Foxman von der Anti-Diffamierungs-Liga das Sendschreiben Hollywoods als "lächerlich" und "einen Affront" gegen die sechs Millionen Toten. "Selbst nach ,Schindlers Liste` sind sie immer noch völlig ignorant", sagt Foxman über die Unterzeichner der Anzeige.

Warum beschwören so viele Hollywood-Größen, keiner von ihnen Scientologe und viele von ihnen jüdisch, zum Nutzen der Scientologen ausgerechnet die Nazis? Mindestens die Hälfte der 34 Unterzeichner haben vergangene oder aktuelle berufliche Beziehungen zu Tom Cruise und John Travolta, die berühmtesten Rekruten der Scientologen.

Einige mögen bei der Aktion nur mitgelaufen sein, aber für andere könnte gelten, was ein Produzent sagt: "Sie möchten so schnell wie möglich einen Film mit Tom Cruise oder John Travolta machen."

Die Anzeige wurde von Bertram Fields entwickelt, dem Rechtsanwalt von Tom Cruise. Er sagt, ihn habe es alarmiert, als die Jugendorganisation der CDU nach einem Boykott von "Mission Impossible" gerufen habe, weil dessen Star, Tom Cruise, ein Scientologe ist (das läßt sich allerdings kaum mit den Bücherverbrennungen der Nazis vergleichen, denn "Mission Impossible" war ein Schlager in Deutschland und brachte 23,6 Millionen Dollar ein).

Fields sagt, sein Klient habe nicht von der Anzeige gewußt, sie sei allein aus seiner eigenen Wut entstanden. Er weist auch darauf hin, daß ihr Text peinlich genau auf die dreißiger Jahre in Deutschland hinweist, die dem Holocaust vorangingen, und daß in der Anzeige niemals die Vernichtungslager erwähnt werden.