Der Brief begann wie tausend andere auch: "Sehr geehrte Damen und Herren". Was dann folgte, war für den Bankangestellten aus einer schleswig-holsteinischen Kreisstadt allerdings neu. "Aufgrund des Vertriebenengesetzes fordere ich Sie auf, zu Unrecht kassierte Kontogebühren zurückzuzahlen." Auf ein Vertriebenengesetz hatte sich bis dahin noch niemand berufen.

Die Verwirrung beim Thema Rückzahlung von Kontogebühren ist groß, und die Karlsruher Bundesrichter dürften kaum geahnt haben, was sie auslösten, als sie im Mai vergangenen Jahres in dieser Frage Recht sprachen. Geklagt hatte die Berliner Verbraucherzentrale gegen ein Kreditinstitut aus Halle. Ungebührlich fanden es die Verbraucherschützer, daß eine Bank für Aus- und Einzahlungen am Schalter Gebühren kassiert. Das geht schon in Ordnung, meinten dagegen die Richter des Bundesgerichtshofes und gaben dem Kreditinstitut aus Halle recht. Schließlich, so die Begründung, habe es jedem Kunden fünf kostenlose Freibuchungen gewährt.

Banken und Sparkassen jubilierten, denn allzu selten nur hatten sie bei gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Verbraucherzentralen bisher Grund dazu gehabt. Doch die Banker freuten sich zu früh.

Fünf Freibuchungen als notwendige Voraussetzung für Buchungsgebühren bei Ein- und Auszahlungen in bar, dieser lapidare Nebensatz aus höchstrichterlichem Munde beschert derzeit Banken und Sparkassen soviel Ärger wie selten zuvor. "Waschkörbeweise", so ein Sparkassenangestellter aus Frankfurt, kämen Kundenreklamationen ins Haus. Die Kunden fordern ihr Geld zurück, denn so manche Bank und Sparkasse hatte in der Vergangenheit munter kassiert, ohne dem Kunden fünf Freibuchungen zu gewähren. Jeder Girokontoinhaber sollte deshalb einen Blick in die Gebührenordnung seiner Hausbank werfen. Nicht betroffen sind allein solche Konten, für die ausschließlich eine monatliche Pauschale verlangt wird. Rechnet die Bank das Konto dagegen insgesamt nach der Zahl der vorgenommenen Buchungsposten ab und gewährt keine oder weniger als fünf Freiposten, muß sie zurückzahlen.

"Das ist nichts anderes als die Herausgabe illegaler Beute", meint Rainer Metz von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Rainer Metz ist für Bank- und Sparkassenvorstände so etwas wie der Robin Hood des Kreditgewerbes. Unverdrossen läuft er seit langem gegen die "Abzockmentalität" der Banken Sturm. Außerdem fordert er mehr Transparenz und Kundenfreundlichkeit. Doch die scheint in den meisten Kreditinstituten spätestens beim Thema Buchungsgebühren vergessen zu sein. Von sich aus hat sich noch keine Bank bei ihren Kunden gemeldet, um zu Unrecht kassierte Gebühren zurückzuzahlen.

Mittlerweile verteilen die Verbraucherschützer in allen Zentralen kostenlose Vordrucke für Reklamationsschreiben. Dennoch würden gerade ältere, unbedarfte Girokontoinhaber über den Tisch gezogen, weil sie häufig nichts von der Reklamationsmöglichkeit erfahren, so die Finanzexperten der Verbraucherzentrale NRW. Doch nicht nur die Unbedarften trifft es. Auch die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Ingrid Matthäus-Maier, als Haushaltsexpertin der SPD in Finanzdingen nicht gar so unbewandert, zahlte wie andere Girokontoinhaber auch jahrelang zu hohe Buchungsgebühren. Erst der beiläufige Hinweis ihrer Sekretärin Angelika Behr, sie habe da in Sachen Buchungsgebühr bei ihrer Bonner Sparkasse etwas läuten hören, ließ die Bundestagsabgeordnete Ende Oktober, fünf Monate nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes, aufhorchen.

Längst nicht alle Institute bieten wie die Dresdner Bank und andere, kleinere Kreditinstitute ihren Kunden eine pauschale Gebührenerstattung an. Die schwankt zwischen zwanzig und hundert Mark. Doch Haken und Fallstricke gibt es auch hier. Denn häufig bekommt nur derjenige die Pauschale, der schriftlich auf weitergehende, spätere Ansprüche verzichtet. Völliger Quatsch, meinen die Verbraucherschützer dazu.