Im Hirn von Vögeln haben Wissenschaftler erstmals biochemische Vorgänge verfolgt, die sie mit Lernen und Vergessen in Verbindung bringen. Verhaltensbiologen der New Yorker Rockefeller University untersuchten die Hirnaktivität von Zebrafinken, die dem Gesang ihrer Artgenossen lauschten (Science, Bd. 274, S. 1909). Nach einiger Zeit nahmen die Nervenimpulse im Hirn der Vögel ab: Die Töne aktivierten die Herstellung eines bestimmten Proteins, das die Signalübertragung der Nervenzellen herabsetzte. Offenbar haben die Vögel die Melodie gelernt - so interpretieren die Wissenschaftler die verminderte Hirnaktivität. Allerdings kehrten die Phasen, in denen das Gezwitscher die Herstellung des Proteins ankurbelten, in bestimmten Intervallen wieder. Hört der Fink in den Zeitfenstern keinen Gesang oder wird die Proteinsynthese künstlich unterdrückt, steigt seine Nervenaktivität beim nächsten Hören erneut. Dann hat er die Melodie wieder vergessen, glauben die Biologen.