Im großen und ganzen sind Bankleute recht saubere Gesellen. Sie tragen Schlipse, mähen sonnabends ihren Rasen und benehmen sich auch sonst ganz manierlich. Keiner ihrer Kunden muß heute noch fürchten, von ihnen hinterrücks niedergestreckt und beraubt zu werden. Das war freilich nicht immer so. Es gab Zeiten, da waren Banken die reinsten Räubernester.

Die Compagnia dei Bardi in Florenz zum Beispiel, seinerzeit Marktführer unter den Großbanken. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war die Bardi-Bank wichtigster Geldgeber der europäischen Könige, Kardinäle und Kaufleute.

Ein Schlüssel des Erfolges dürfte die Diversifikation gewesen sein: Außer im Kreditgewerbe waren die Bardis noch in der Plünderei und in der Falschmünzerei aktiv. Weshalb einfache Angestellte manchmal auf dem Scheiterhaufen landeten. Auch mancher Bardi wurde hin und wieder zum Tode verurteilt, aber stets rehabilitiert.

Denn ein Bardi war unantastbar - Zeitgenossen verehrten die Bank als "tragende Säule der Christenheit".

Mit den mächtigen und einflußreichen Bankiersfamilien Norditaliens, mit den Bardis, Perruzzis und Medicis, begann der Siegeszug der Finanzwirtschaft und des Handels in Europa, begann der Siegeszug des Kapitalismus. Mit den schmutzigeren Geschäften von damals haben die heutigen Banken natürlich nichts mehr zu tun. Die Nähe des Bankenviertels zum Rotlichtviertel in Frankfurt ist reiner Zufall.

Auch sonst erinnert kaum noch etwas daran, daß die Wiege des Finanzbusineß am Po stand. Selbst im deutschen Bankenchinesisch werden italienische Begriffe immer mehr durch solche aus Britannien und Amerika verdrängt.

Aber manche Wörter widerstehen dem angelsächsischen Sprachimperialismus.