Wannsee vorm Fenster, Kleistgrab um die Ecke, Photos vom Glanz und Gloria der Gruppe 47 an der Wand - nee, nee, man habe sich schwergetan mit diesem Ort, sagt Präsident Dieter Schlenstedt zur Eröffnung der Ost-PEN-Tagung Ende Januar. Aber sie sind gekommen: Christoph Hein und Christa Wolf, B. K. Tragelehn und K. D. Wolff, Friedrich Schorlemmer und Friedrich Dieckmann, Klaus Staeck und Klaus Schlesinger, Volker Braun und Werner Liersch, Daniela Dahn und Helga Königsdorf. Man nennt sich "wir" und "du", zitiert Kleist, Shakespeare und Selbstgedichtetes. Die Gäste aus dem Westen sagen "Sie" und reden wie die Doctores in der Zahnpastareklame. Der Präsident macht kleine Scherze: "Sagen Sie uns, wenn Sie Lust haben, unsere Meinung." Die Meinung auf dem Dichtertreffen ist die: Man freut sich, daß der West-PEN nun endlich einer Vereinigung zustimmt, man warnt vor der "Herrschaft des Kapitals", das wieder ohne Maske sein Haupt reckt, der Ehrenrat (der über die Stasi-Verstrickungen der Mitglieder wachen sollte) hat seine Arbeit "im wesentlichen abgeschlossen". Hans Mayer läßt eine Rede verlesen "über den ernsthaften Umgang mit Literatur und Gesellschaft", in der er die CIA für die Trennung der beiden deutschen PENs verantwortlich macht. Applaus, Applaus, das will man jetzt "mal so stehenlassen". Christa Wolf wirft den aus Protest gegen die geplante Vereinigung aus dem West-PEN ausgetretenen Dichtern "die Unfähigkeit, Wirklichkeit aufzunehmen" vor. Friedrich Dieckmann schreibt in einem offenen Brief, der künftige gemeinsame PEN müsse sich "vor der Infektion mit dem Westbazillus hemmungsloser Entzweiung" schützen, die "Feinde der PEN-Einheit" wie Lea Rosh und Ralph Giordano gehörten ob ihrer öffentlichen Reden "vor den gemeinsamen Ehrenrat". Im Grunde wäre, so Dieckmann im PEN-Autorenlexikon, ohnehin "nichts folgerichtiger, als wenn die Mitglieder des Darmstädter PEN die Sezession rückgängig machten, indem sie in das Berliner Zentrum als den Nachfolger und Stammhalter des ersten deutschen Nachkriegs-PEN einkehrten".

Das wollen wir jetzt mal so stehenlassen. Folgt noch Präsidiumsbericht, Kassenbericht, Wahl neuer Mitglieder, Wahl der Mitglieder der Kommission zur Vorbereitung eines gemeinsamen PEN-Zentrums. Und wieder ist ein schönes Wochenende vorbei und kommt nicht zurück.