Bei der Entwicklung eines umweltverträglichen Kunststoffs scheinen koreanische und amerikanische Biotechniker jetzt einen Schritt weitergekommen zu sein - dank des Bakteriums Escherichia coli.

Die Wissenschaftler schleusten den genetischen Bauplan für die Produktion sogenannter Polyhydroxyalkanoate (PAH) in den Darmkeim ein. Die Polymere ähneln tierischen und pflanzlichen Fetten und werden von vielen Mikroorganismen als Energiereserve hergestellt, allerdings nur in geringen Mengen. Deshalb benutzen die Forscher nun Escherichia coli, das von Natur aus keine PAH produziert, als Biofabrik (Nature Biotechnology, Bd. 15, S. 63). Das Bakterium ist ertragreicher als andere Mikroorganismen und setzt vergleichsweise billige Ausgangsprodukte wie Molke und Melasse in den Kunststoff um. Mehr noch: Über die Steuerung eines bestimmten Enzyms produziert der Winzling je nach Wunsch Plastikpolymere unterschiedlicher Größe. Falls sich die Herstellungskosten noch weiter drücken lassen, könnte der Bakterienkunststoff künftig das Polyäthylen ablösen, hoffen die Forscher. Polyäthylen läßt sich weitaus günstiger herstellen, und zwar aus Erdöl. Im Unterschied zur Bakterien-Plaste wird Polyäthylen in der Umwelt jedoch nicht abgebaut.