Im Eishockeyspiel sind eineinhalb Minuten eine Ewigkeit, doch manchmal braucht es so lange. Von Spieler zu Spieler wandert der Puck, oft anscheinend sinnlos, wenn die Kölner Haie sich beim Überzahlspiel im Drittel des Gegners festgebissen haben. Plötzlich aber reißt der zermürbte gegnerische Abwehrblock, und dann hämmern die Haie die Hartgummischeibe ins Netz. Tor.

Powerplay ist Nervensache - nicht nur auf dem Eis. Auch außerhalb der Bande läuft in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in diesem Winter ein spannendes Powerplay. Stark im Angriff und einschußbereit zum entscheidenden Treffer ist ein aggressiver big player vom Rhein, der Kölner Wirtschaftsanwalt Bernd Schäfer III, bis vor kurzem Chef der Haie. Unter Druck und ziemlich abstiegsbedroht sind der Deutsche Eishockey Bund (DEB) und seine ehrenamtlichen Funktionäre.

Statt um Punkte und Meisterschaft geht es um Millionenprofite und um die Frage, ob das Geschäft mit dem Profisport noch unter Strukturen gedeihen kann, die dem Turnvater Jahn auf den Leib geschrieben waren. In einer Randsportart entfalten sich unter Gerangel Geschäftsbedingungen von morgen, die bald auch beispielhaft werden könnten für ein Big Business wie etwa den Profifußball.

Anwalt Schäfer: "Wenn Eishockey die erste Sportart wird, in der die Profiliga selbständig und unabhängig vom Verband ist, dann wird das Schule machen."

Seit drei Jahren prügelt er sich mit Sportfunktionären um Sponsorengelder, Fernsehrechte und Verbandsabgaben. Bernd Schäfer und seine Nebenspieler wollen einen ziemlich spannenden Sport nach dem Muster der nordamerikanischen National Hockey League professionell vermarkten und haben deshalb die DEL gegründet - nicht mehr eingetragene Vereine treten gegeneinander an, sondern GmbHs und Kommanditgesellschaften. So soll sich geregelt Kapital aufnehmen lassen und eine ordentliche Rechnungslegung gewährleistet werden. Und nicht jede dieser Firmen vermarktet sich bei Werbetreibenden und Fernsehstationen selber, sondern läßt dieses Geschäft gebündelt den Franchisegeber DEL GmbH betreiben.

Dank des sogenannten Bosman-Urteils, mit dem der belgische Fußspallspieler Jean-Marc Bosman die berufliche Freizügigkeit in der Europäischen Union erkämpfte, gibt es in diesem Jahr praktisch keine Ausländerbegrenzung mehr für die Mannschaften: Seit dieser Saison sorgen kanadische Arbeitnehmer mit italienischen und irischen Pässen, Schweden, Finnen und Russen in den Trikots der Berlin Capitals, Mannheimer Adler und Starbulls Rosenheim dafür, daß deutsche Fans erstmals nach dem Krieg Woche für W oche Weltklasse-Eishockey zu sehen bekommen.

Daß kaum noch ein deutscher Spieler aufläuft, scheint die Anhänger nicht zu stören - in der diesjährigen Vorrunde lagen die Zuschauerzahlen um zwanzig Prozent über denen der vergangenen Saison.