Als er sechsunddreißig Jahre alt war, mußte er das vom Vater übernommene Münchner Weingeschäft für immer schließen. Statt dessen eröffnete Josef Breitenbach ein Photostudio "für Portrait und Reklame".

Als im folgenden Jahr, am 16. Mai 1933, der Gewerbeschein erteilt wurde, waren es nur noch sechzehn Wochen bis zur Flucht nach Paris.

Wie eigenartig, daß Breitenbach, der in diesem Frühjahr hundert geworden wäre und vor zwölf Jahren starb, auf die Stadt München gesetzt hat, um seinen Ruf als Photograph zu begründen.

Hans Breitenbach, der Sohn, der aus England zur Eröffnung der Ausstellung nach München gekommen war, äußerte Bedenken, daß sein Vater Josef Breitenbach "ein jüdischer Photograph" genannt wird.

Denn sein Vater sei ein gänzlich weltlicher Mensch gewesen - ein radikaler Sozialdemokrat und ein Frauenheld. Ihn, Hans, der bis zum Tod seiner Frau Chickie mehr als ein halbes Jahrhundert mit ihr zusammen war, habe sein Vater "für einen Trottel gehalten".

"Weil Sie mit ihr so lang zusammen waren?"

"Nein, weil wir gleich waren. Das hat er einfach nicht verstanden."