Aus dem Fall Transrapid läßt sich einiges lernen - und sein Fall ist gewiß. Berechnend ungenaue Äußerungen des Bundesverkehrsministers Matthias Wissmann und des Thyssen-Chefs Dieter Vogel deuten nunmehr das Ende an. Der Flugzug wird am Rechenstift scheitern. Nur eine Minderheit in Unternehmen und Behörden, die ihr Prestige daran gebunden hat, glaubt noch an die Strecke zwischen Hamburg und Berlin. Der durchschlagende Einwand ist peinlicherweise auch der älteste: Das Großprojekt bietet nur minimale Vorteile gegenüber dem ICE, und das bei maximalen Kosten. Zwar kontern die Befürworter, es werde eine Referenzstrecke gebraucht. Doch was wäre in dem neun Milliarden Mark teuren Schaufenster zu sehen?

Die Technik selbst ist seit Jahr und Tag im Emsland zur Besichtigung freigegeben. Ihre Wirtschaftlichkeit indessen kann in Deutschland nirgendwo demonstriert werden. Die Magnetbahn eignet sich zwar für Massenverkehr über Strecken von 500 bis 1000 Kilometern, aber nicht für Hamburg-Berlin mit Zwischenstopp in Schwerin. Es genügt eben nicht, daß Technik gut funktioniert. Sie muß auch in die Welt passen.

Die anrührende Tragik der Comicfigur Daniel Düsentrieb, Ingenieur am Standort Entenhausen, besteht gerade darin, daß dessen Erfindungen stets heimatlos bleiben müssen, weil sie nur großartig sind und sonst nichts. Die nächsten Beispiele für das Düsentrieb-Syndrom dürften die internationale Raumstation und der deutsch-französische Druckwasserreaktor werden. Heroische Maschinen, Technobarock, die bürokratische Verfassung von Konglomeraten aus Staat und Wirtschaft bis in ihre Struktur widerspiegelnd - und jenseits allen Bedarfs.

Wie einst in Kalkar.

Mit rhetorischer Resignation wird gefragt, ob hierzulande überhaupt noch Großes gebaut werden könne. Doch das Scheitern von Großprojekten ist keineswegs eine Eigentümlichkeit der skeptischen Bundesrepublik.

Um die Jahrhundertwende zum Beispiel war die Elektroindustrie (Siemens vorneweg) entschlossen, den elektrischen Pflug einzuführen.

Überschüssiger Strom aus Überlandleitungen sollte die Motoren antreiben, billiger als Pferde-, Dampf- oder Benzinkraft. Indessen wurde nichts aus der grandiosen Idee, denn der Elektropflug war zu spezialisiert und die Landwirtschaft zu zersplittert erst in den fünfziger Jahren breitete sich mit den vielseitigeren Dieseltraktoren eine adäquate Technik aus.