Ski und Rodel gut heißt es in den deutschen Mittelgebirgen. Nicht so in Schierke. Die kleine Harzgemeinde kämpft darum, im Nationalpark einen Skilift bauen zu dürfen. Die Landesregierung in Sachsen-Anhalt hat die Pläne abgelehnt.

Bis zum Zweiten Weltkrieg galt das Dorf als Zentrum des Wintersports im Harz: Am Südhang des Brockens verfügte Schierke nicht nur über Skihänge und Langlaufloipen, sondern auch über Sprungschanze und Naturbobbahn. Nach Kriegsende lagen Schierke und der Brocken plötzlich direkt am Eisernen Vorhang: Das DDR-Regime erklärte das Areal zum Sperrgebiet und schloß die Wintersportanlagen.

Doch auch nach der deutschen Vereinigung konnte Schierke nicht wieder an alte Traditionen anknüpfen. In einer ihrer letzten Amtshandlungen wies die DDR die 6000 Hektar um den Brocken im Herbst 1990 als Nationalpark Hochharz aus. In dem nahezu unangetasteten Bergfichtenwald, eine Seltenheit in Mitteleuropa, ist alpiner Skisport verboten.

Dagegen läuft Schierkes Bürgermeister Lothar Thiele schon seit Jahren Sturm: Der "roten Grenze" sei die "grüne Grenze" gefolgt.

Mit dem Projekt "Schierke 2000" will der Ort mit 1000 Einwohnern und 1200 Gästebetten nicht nur eine Sport- und Mehrzweckhalle bauen und den Verkehr beruhigen, sondern auch Möglichkeiten zum alpinen Skisport schaffen. An eine Wiederinbetriebnahme der alten Anlagen am Brocken ist zwar nicht gedacht, dafür aber an einen neuen Skilift samt Piste am 835 Meter hohen Winterberg südlich des Ortes. "Dadurch bekämen wir einen Anschluß an das Skigebiet von Braunlage", sagt Thiele.

Bislang hat sich Sachsen-Anhalts Umweltministerin Heidrun Heidecke beharrlich geweigert, für dieses Vorhaben im Nationalpark eine Sondergenehmigung zu erteilen. Der parteilose Thiele wertet das Nein aus Magdeburg "als Ausdruck parteipolitischer Ignoranz".

Schierke fühlt sich auch gegenüber den benachbarten Wintersportorten im niedersächsischen Teil des Harzes benachteiligt. Denn dort gibt es zwar ebenfalls einen Nationalpark. Doch Skiorte wie Braunlage oder Torfhaus haben den Vorzug, daß ihre Pisten bei der Gründung des westlichen Nationalparks Harz bereits vorhanden waren: Die Anlagen genossen daher Bestandsschutz.