Roms Regierung hat überraschend die Leitung seiner Monopolholding für das Telephonwesen (Stet) geköpft, nachdem sie deren Präsidenten Biagio Agnes und Vorstandschef Ernesto Pascale erst vor einem halben Jahr im Amt bestätigt hatte. Einen Grund für den Hinauswurf der beiden nannte das Kabinett nicht. An der Tüchtigkeit der beiden kann es nicht gelegen haben, denn Roms Telephonwesen bringt bei erheblicher Steigerung des Ertrags den höchsten Gewinn aller Bereiche der Staatswirtschaft.

Der neue Präsident Guido Rossi ist als "der rote Milliardär" in Italien bekannt und ließ sich 1987 in den Reihen der Kommunistischen Partei Italiens zum Senator wählen, der neue Vorstandschef Graf Tomaso Tommasi di Vignano, bisher einer der beiden Generaldirektoren von Telecom Italia, war als Wahlkomitee-Leiter einer der Steigbügelhalter für den Regierungschef Romano Prodi, der ihn nun als neuen Vorstandschef vorschlug.

Damit ist aber nicht gesagt, daß jetzt nur ein parteipolitisch motivierter Schichtwechsel eintritt. Die Sache hat vor allem ordnungspolitische Gründe. Die Stet und ihre Betriebstochter Telecom Italia werden fusioniert, der Staatsbesitz daran dann privatisiert. Es geht um eine Börsenaktion im Wert von mehr als zwanzig Milliarden Mark.

Mit dem Erlös muß die Staatsholding Iri entschuldet werden. Das verlangt die Wettbewerbskommission in Brüssel seit Jahren. Stet und Telecom Italia notieren seit Jahrzehnten an der Börse. Ihre Aktien sind international begehrte Papiere.

Der neue Präsident Rossi gilt als ausgezeichneter Sanierer und Vertragsexperte. Ganz entscheidend für die Entwicklung der Nachrichtentechnik in Italien und in Europa wird die Art sein, wie er die Weichen für die Privatisierung stellen wird, mit oder ohne staatlichen Vorbehalt, mit oder ohne Finessen und Risiken für die künftigen Aktionäre, Partner und auch für die Kunden des Konzerns. Dafür hat Rom kein Konzept präsentiert.

Noch im vergangenen Sommer war ein erster Anlauf fehlgeschlagen, Ende dieser Woche soll der Durchbruch erzielt werden. In der für diesen Freitag angesetzten Sitzung wollen die zwanzig Aufsichtsratsmitglieder der Metallgesellschaft (MG) den Streit mit ihrem Ende 1993 gefeuerten Vorstandschef Heinz Schimmelbusch durch einen außergerichtlichen Vergleich aus der Welt schaffen. Gegen den Manager, der mit seinen abenteuerlichen Öltermingeschäften den Konzern an den Rand des Ruins manövrierte, läuft eine Schadenersatzklage über fünfundzwanzig Millionen Mark. Als unannehmbar hatten vor allem die Arbeitnehmer die ursprünglich geplante Abfindung von mehr als fünf Millionen Mark abgelehnt. Die ist mittlerweile vom Tisch.

Juristisch unanfechtbar sind dagegen die erworbenen Ruhestandsbezüge - abgezinst angeblich ein Betrag von knapp zwei Millionen Mark.