Als Kleinkinder hatten Hilmar Kopper und Martin Kohlhaussen keine Gelegenheit, zusammen im Sandkasten zu spielen. Nun, da sie groß geworden und zu Chefs von Deutscher Bank respektive Commerzbank aufgestiegen sind, könnten sie das Versäumte gewissermaßen nachholen.

Beispielsweise durch die Verabredung, beide Geldhäuser zusammenzulegen und damit einen riesigen Finanzkonzern zu formen. Völlig absurd?

Tatsächlich gibt es für diese Elefantenhochzeit derzeit keine Anzeichen. Doch so ohne weiteres lassen sich solche Überlegungen nicht mehr ins Reich der Phantasie verweisen. Denn im bundesdeutschen Geldgewerbe ist das Fusionsfieber ausgebrochen, bei dem selbst bislang tabuisierte Paarungen nicht ausgeschlossen erscheinen.

Nach Beobachtung von Wolfgang Strutz, dem Vorstandssprecher der BHF-Bank, finden in allen deutschen Kreditinstituten jeden Tag entsprechende "Sandkastenspiele" statt, wobei "auch das Undenkbare emotionslos gedacht" werde.

Doch ganz so kühl, wie Strutz meint, scheinen die Strategen in den Chefetagen nicht ans Werk zu gehen. Jedenfalls sorgte eine soeben von der Westdeutschen Landesbank (WestLB) veröffentlichte Studie in der Branche für einige Aufregung. Denn die Analyse, die mehrere Kombinationen im hiesigen Geldgewerbe durchspielt, kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Die Autoren halten die bislang kaum in Betracht gezogene Fusion zwischen der Bayerischen Vereinsbank und der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank (Hypo-Bank) für die "wahrscheinliche" Variante, weil die Verbindung der beiden Münchner Großbanken die größten Kostenersparnisse verspreche.

Demgegenüber bieten die häufiger diskutierten Zusammenschlüsse von Deutscher Bank mit Vereinsbank oder Dresdner Bank mit Hypo-Bank dem Kalkül der WestLB zufolge ein geringeres Rationalisierungspotential und werden deshalb als weniger chancenreich eingeschätzt. Noch vor einem Jahr wäre ein solches Szenario als Hirngespinst abgetan worden. Ehen zwischen den fünf großen Privatbanken galten bis dato als unanständig und deshalb als ausgeschlossen. Doch seitdem die Deutsche Bank im vergangenen Sommer bekanntgab, daß sie mit 5,2 Prozent an der Vereinsbank beteiligt ist, hat sich die Lage völlig verändert. Nach diesem Tabubruch gibt es keine schmutzigen Gedanken mehr, es darf wild über Beziehungen spekuliert werden.

Die "Konsolidierungsphantasie", wie die WestLB derartige Überlegungen vornehm nennt, hat reale Hintergründe. Den deutschen Banken geht es zwar noch gut, aber der "Streß" nimmt zu, wie die Ratingagentur Moody's in einer kürzlich erschienenen Studie feststellt: Die Kosten steigen, während die Erträge tendenziell fallen. Das Geschäft mit Firmenkunden ist heiß umkämpft und wirft, wenn überhaupt, nur noch geringe Gewinnmargen ab. Auch im Geschäft mit den Privatkunden sinkt wegen der teuren Filialnetze die Profitrate. Große Institute wie die Deutsche oder die Dresdner Bank suchen ihr Heil deshalb auf neuen Gebieten und bauen ihre Wertpapier- und Beratungssparten, das sogenannte Investmentbanking, kräftig aus, ein kostspieliger Weg, der kleineren Häusern mangels gutgefüllter Kasse verschlossen bleibt.