Diplomatie ist die Kunst, einen Ausweg zu finden. Diesmal gibt es keinen. Das Auswärtige Amt steht vor einer mission impossible: Wie kann es die Öffentlichkeit davon überzeugen, daß die Steuerkommission unrecht tut, wenn sie die Auslandsbezüge der Diplomaten versteuern lassen will?

Unmöglich. Ein Beamter aus dem Ministerbüro malte sich aus, wie die entsprechende Petition ausfallen könnte: "Erst geht es den Rentnern an den Kragen, jetzt auch noch den Diplomaten - gibt es denn keine Schamgrenze mehr?"

Natürlich verbirgt sich hinter solchem Sarkasmus ein echtes Problem, aber das ist schwer zu vermitteln. Der Auswärtige Dienst gilt immer noch als eine große Cocktailparty, deren Gästen man ins Champagnerglas spucken darf, weil bestimmt genügend Flaschen zum Nachgießen bereitstehen.

Daß manch Bonner Diplomat mit dem Handy unter dem Kissen schlafen muß und die Gesandten in Ulan Bator oder in Bischkek in Deprivation erstarren, wird dagegen übersehen.

Das Corps darf auf Solidarität nicht hoffen. Einstweilen gibt es also nichts Diplomatischeres, als zu schweigen. Und nur im kleinen Kreis zu beklagen, daß der Dienst, der seit Jahren unter Personalabbau und Beförderungsstopps ächzt, immer unattraktiver fürdie Spitzenkräfte wird. Schlechte Zeiten für gute Argumente.

Was bleibt, ist stille Ironie. Im Mondlicht von Bangalore, der Minister war bereits im Bett, trösteten sich Diplomaten mit Gedanken zur Sanierung des AA. Sponsoring! Der Pressesprecher könnte sich doch vor öffentlichen Auftritten Firmenembleme an den Hemdkragen heften. Und auf den Pressemitteilungen ließen sich prima Werbelogos plazieren.

Wenig später war ein rent an ambassador-Programm ausgetüftelt, bis in später Nacht die Privatisierung aller Auslandsvertretungen beschlossen wurde.