Der Berg kreißte und gebar eine Maus. Etwa so läßt sich der vorläufige Höhepunkt im Gezerre um die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute umschreiben. Vor einem guten Jahr wurde über die Schließung des Hamburger HWWA-Institutes für Wirtschaftsforschung spekuliert.

Vor wenigen Wochen hieß es dann, dem Münchner Ifo-Institut drohe der Geldhahn zugedreht zu werden. Und am Dienstag dieser Woche nun meldete die Kölner Zentrale des Wissenschaftsrates, eine Bund-Länder-Institution zur Forschungsförderung: Alles Fehlanzeige, sicher ist gar nichts.

Eine Kommission werde erst einmal neu über die Aufgaben der deutschen Wirtschaftsforschung nachdenken.

Das ganze Schauspiel begann vor ein paar Jahren. Kurz nach der Wiedervereinigung wuchs sprunghaft die Zahl der Forschungsinstitute, die gemeinsam von Bund und Ländern unterhalten werden. Aus fünfzig Einrichtungen der sogenannten blauen Liste wurden achtzig, der Finanzbedarf stieg von 500 Millionen auf 1,3 Milliarden Mark.

Das war angesichts leerer Kassen zuviel, und so wurden zunächst die Einrichtungen der neuen Bundesländer auf Sinn und Nutzen überprüft.

Viele mußten danach schließen. Damit war der Anfang einer gesamtdeutschen Generalüberholung gemacht: Da im Westen nicht falsch sein kann, was im Osten richtig ist, werden seit geraumer Zeit auch westdeutsche Forschungseinrichtungen überprüft. Der Wissenschaftsrat schickt seither Begehungskommissionen auf Reisen - die bewerten landauf, landab die Arbeit der Forscher. In manch verschlafenes Büro und manch müdes Labor brachte schon die Ankündigung der Kontrolleure endlich frischen Schwung. Soweit also war das Ganze ein höchst sinnvolles Unterfangen.

Auch die fünf westdeutschen Wirtschaftsforschungsinstitute - das Hamburger HWWA, das Kieler IfW, das Essener RWI, das Berliner DIW und das Münchner Ifo-Institut - kamen unter die Lupe. Zwei Institute gerieten dabei in die Kritik: Dem HWWA wurden schon Ende 1995 Mängel in der Forschung, überalterte Mitarbeiter und eine überholte Organisation vorgeworfen. Dem Ifo-Institut bescheinigten die Kontrolleure unter anderem mangelnde Zusammenarbeit mit der Universität und zuviel Empirik, sprich Datensammelei. Die Veröffentlichung dieser Ergebnisse allerdings - und damit die Chance, finanzielle Konsequenzen folgen zu lassen - wurde nun vom Wissenschaftsrat ebenso vertagt wie das Lob für die anderen Institute. Mit gutem Grund.